Playschool in Indien

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Aus meinem Tagebuch vom Dezember 2006

Suriyans sprachliche Entwicklung geht im Moment grade explosionsartig voran. Nachdem wir lange auf die ersten Sätzchen gewartet haben, werden wir nun mit berndeutschen und auch tamilischen Satzkonstruktionen beglückt und immer öfters hört man das bedeutende Wort „Ig“. Damit Suriyan mehr Kontakte mit Gleichaltrigen hat, sind wir langsam auf der Suche nach einer guten Playschool.

Unsere Nachbarn von gegenüber sind nach Dubai gezogen und so erhofften wir uns den Spielgruppen-Platz der jüngeren Tochter Pumpkin (so nennen sie das arme Kind!). Sie haben uns die Blue Bell Playschool wärmstens empfohlen und waren damit sehr zufrieden. Nach einem Besuch waren wir jedoch sehr ernüchtert. Die 30 kleinen Knöpfe im Alter von 2-3 Jahren mussten eine ganze dreiviertel Stunde in einem kleinen Raum auf dem Boden sitzen und den schlechtesten Frontalunterricht, den ich je gesehen habe, über sich ergehen lassen. Die Lehrerin sass vorne mit einem kleinen Büchlein und sprach englische Wörter vor, die teilweise abgebildet waren und die Kleinen wiederholten das Ganze mehr oder weniger im Chor. Von Spielen, wie es bei uns üblich ist, keine Spur. Es wird unterrichtet und die Kinder bekommen sogar Hausaufgaben.

In der Hoffnung, eine Playschool zu finden, die uns einigermaßen entspricht, besuchten wir eine Montessori-School. Dort durften wir den Unterricht gar nicht sehen, da dies nicht erlaubt sei und die Kinder stören würde. Nach dem Unterricht zeigt uns die arrogant wirkende Leiterin die Klassenräume und erwartet scheinbar, dass es uns vor Begeisterung aus den Socken haut, was barfuß jedoch etwas schwierig zu bewältigen ist. Auch dort 30-35 Kinder in einer Klasse. Es wird voll und ganz nach dem Montessori-System unterrichtet und die Kinder können frei mit altem Montessori-Material, das wir in der Schweiz schon längst entsorgt hätten, handeln und experimentieren. Draußen gibt es für indische Verhältnisse einen recht guten Spielplatz, wo die Kinder aber nur vor und nach dem Unterricht spielen dürfen.

Mit dieser Variante hätte ich, obwohl nicht überzeugt, 2-mal pro Woche noch leben können, aber man muss das Kind jeden Morgen von 9-12 in die Schule schicken und das finde ich einfach zu viel für Suriyan.

So geht die Suche weiter …

Von Irène in Indien

Seit über 12 Jahren lebe ich nun bereits mit meiner Familie in Chennai, meiner neuen Heimat.

2 Kommentare

  1. Hoi Irène, ich lise grad Din Blogg und bin fasziniert vo Dine Biiträg….aber ich glaube, bi aller Liebi und Aapassigsfähigkeit chunt üse Hintergrung ( i de CH ufgwachse) irgend einisch füre….ich glaub bi de eigene Chind oder Tier, da simmer nümme eso kompromissbereit…..das find ich immer am spannendschte au a mier sälber usezfinde wenn das isch und wieso das denn fürechunt……ich han vor Indie immer Schiss gha….Angscht gha vor de Extreme vo herrsched…..es isch für mich sehr schön, sovill chönne dur Dich über Din Blogg z’erfahre…..Danke und ganz liebi Grüess us Spanie nach Indie. Maria José

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    1. Hallo Maria, danke für deinen Kommentar. Da gebe ich dir wirklich Recht. Wenn es dann ums Eingemachte geht, schwindet die Kompromisbereitschaft sehr. Man ist schon sehr geprägt durch die eigenen Kindheitserfahrungen und Wertvorstellungen. Und doch ist man in einem neuen Heimatland auch immer wieder gezwungen eigene Wertvorstellungen zu überdenken und Kompromisse zu finden. Ganz liebe Grüße nach Spanien 🇪🇸! 💕🌺Irène

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