Glück gehabt – ein Unfall mit dem Tuk-Tuk

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Aus meinem Tagebuch vom Dezember 2007

Auf Chennais Straßen herrscht das wahre Chaos. Handwagen werden gezogen, Ochsen ziehen ihre Karren, Menschen, Hunde, Kühe überqueren unvorhersehbar die Straße, Motorräder mit den möglichsten und unmöglichsten Ladungen überholen von links oder rechts und immer mehr Autos prägen das Straßenbild. Nicht zu vergessen die unzähligen gelb-schwarzen Tuk-Tuks, die von den indischen Strassen kaum wegzudenken sind. Doch die Könige, die Maharajas der Strasse sind die Busse, die wie egozentrische Bulldozer rücksichtslos durch die Strassen rasen. Ein einmaliges Hupen bedeutet: „Mach Platz, oder du bist platt!“

Die beiden Tuk-Tuk-Fahrer, zwei Brüder, die für uns fahren, machen ihre Sache gut. Sie haben ihr Fahrzeug im Griff und ich habe eigentlich keine Angst mitzufahren.

Doch heute, nach fast zwei Jahren in Chennai passiert es. Auf dem Rückweg von der Playschool schneidet uns ein weisser Jeep den Weg ab und wir stossen mit einen kleinen Lieferwagen zusammen. Sofort schaue ich nach, ob Suriyan, unser 3,5-jähriger Sohn, verletzt ist und bin erst mal beruhigt. Erst jetzt spüre ich meine schmerzenden Knie, die voll in die Stange vor mir geknallt sind. Doch außer ein paar blauen Flecken, die es wohl geben wird, ist uns gottlob nichts passiert. Der Fahrer ist ganz aufgebracht und fragt umgehend, ob wir verletzt seien. Als ich verneine, steigt er sofort aus und packt den schuldigen Jeepfahrer, der inzwischen am Unfallort eingetroffen ist, am Handgelenk und lässt ihn nicht wieder los. Der junge Fahrer hat Angst. Innerhalb kürzester Zeit finden sich etwa 20 Männer auf der Unfallstelle ein. „Hurt?“, fragt mich jeder zweite besorgt. Schliesslich organisiert unser Fahrer mit einen seiner vielen Tuk-Tuk-Kollegen unsere Heimfahrt. Dankbar steige ich daheim immer noch etwas zittrig aus. Wären wir schneller gefahren, wäre das Ganze nicht so glimpflich ausgegangen …

Noch Stunden danach ist unser Fahrer am Unfallort und verhandelt mit dem mittellosen Schuldigen, der keine Polizei hinzuziehen möchte. Scheinbar fehlt der erforderliche Führerschein. 3000 Rupien, etwa 1/4 seines monatlichen Verdienstes, werden die Reparaturkosten ungefähr kosten und dabei hat er doch erst gerade seine Rikscha neu hergerichtet und kontrollieren lassen.

Viele Unfälle ereignen sich auf Chennais Straßen und nur durch die tiefen Geschwindigkeiten bedingt, oft kann man nur 20-30 km/h fahren, bleibt es meistens bei Sachschäden .

Von Irène in Indien

Seit über 12 Jahren lebe ich nun bereits mit meiner Familie in Chennai, meiner neuen Heimat.

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