Der Schreiner und die Moskitos – aus meinem indischen Alltag

f1c64160-75ac-4824-9ff3-a06a4658e666.jpeg

Aus meinem Tagebuch vom Februar 2007

Heute früh habe ich sicherlich gegen 20 Moskitos mit unserem elektrischen Moskito-Schläger getötet. Es ist Moskito-Saison und ich hasse diese fliegenden Blutsauger! Wenn ich bedenke, wie viele Moskitos ich bereits ins Nirwana geschickt habe, wundert es mich, dass immer noch so viele übrig sind. Langsam hege ich den Verdacht, dass unser Haus von den Moskitos bevorzugt wird. Ob es das arische Blut ist, das in meinen Adern fließt?

Dabei haben wir doch bereits kurz nach unserem Einzug in den beiden Schlafzimmern dichtgemacht und Netze vor die Fenster installiert. Nachdem  wir fast ins brotlose Geschäft der Moskitozucht eingestiegen sind, fassten wir die zweite Moskito-Massnahme ins Auge:  Eine Moskitonetz-Tür für den Eingang!

Der Schreiner erschien vor einigen Wochen tatsächlich und nahm sich diesem Projekt an. Ganze sieben Stunden schreinerte er im Hof draußen und unser Suriyan war natürlich zu nichts anderem zu bewegen als mitzuhelfen oder wenigstens zu zusehen.„Kein Wunder, dass er sieben Stunden gebraucht hat“, denkt sich jetzt der aufmerksame Leser, doch da muss ich unseren Sonnenschein in Schutz nehmen, denn er wurde von Mutter betreut, sodass der Schreiner ungestört arbeiten konnte. Als er dann endlich ins Finish kam, war ich langsam aber sicher einer Suriyan-Erschöpfung nahe. Natürlich passte die Tür nicht in den Rahmen. Mit dem Hobel wurde kräftig Hand angelegt, etwas zu kräftig. Die Tür passte jetzt zwar in den Rahmen, aber oben und auf der Seite des Rahmens zeigten sich Lücken, wo die Blutsauger problemlos rein fliegen können.

Ich zeigte mit meinem Finger deutlich und unmissverständlich auf die Mängel, denn Körpersprache ist hier für eine Ausländerin, die kaum tamilisch spricht, elementar wichtig. Ich sagte ihm, dass es so nicht gut wäre. Doch der Schreiner deutete und argumentierte, dass mit etwas Leim in den Verstrebungen die Tür gehoben und sich die obere Lücke so schließen würde. „Erzähle keinen Quatsch!“, dachte ich mir, zückte mein Natel und rief umgehend meinen Ehegatten an. Tamilisches Geplapper ertönte, ich verstand Bahnhof und mein Liebster meinte dann etwas gestresst, weil er grade in einer Sitzung war, ich solle  ihm die 300 Rupien erst bezahlen, wenn alles in Ordnung sei. Super! Der Schreiner versuchte natürlich sein Glück und wollte sein Geld, aber ich schüttelte verneinend den Kopf. So verschwand er auf seinem Mofa und kam nach kurzer Zeit mit einem neuen Leimtopf zurück. Seine Leim-These, die er leider nicht verwerfen wollte, wurde in die Tat umgesetzt. Er strich die Verstrebungen mit Leim ein, legte eine kleine Holzleiste unter den Rahmen und meinte, nach zwei Stunden Trocknungszeit wäre alles in Ordnung.

Suriyan in der Zwischenzeit hundemüde und quengelig geworden, da er auf Biegen und Brechen zu keinem Mittagsschlaf zu überreden war, legte sich in Szene. Ich raffte mich noch zu einem letzten Versuch auf, scheiterte und bezahlte die 300 Rupien, froh den Schreiner endlich los zu sein …

Nun haben wir sie diese Tür mit ihren Lücken, aber seither haben wir wirklich bedeutend weniger Moskitos im Haus.

Von Irène in Indien

Seit über 12 Jahren lebe ich nun bereits mit meiner Familie in Chennai, meiner neuen Heimat.

Kommentar hinterlassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s