Das Wettrennen – eine Geschichte aus der hinduistischen Götterwelt

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Shiva und Parvati lebten mit ihren zwei Söhnen, Ganesha und Murugan auf dem Berg Kailash im Himalaya.

Ganesha, der ältere Sohn, war weise, bescheiden und geduldig. Murugan, der jüngere Sohn, war intelligent, voller Energie und mutig. Die beiden liebten und achteten sich gegenseitig und machten ihre Eltern Shiva und Parvati sehr stolz.

Eines Tages, als die zwei miteinander spielten, hörten sie jemanden singen: „Narayana, Narayana, …“ Ganesha und Murugan wussten sofort, dass dies nur Narada, der Götterbote sein konnte. Narada war ein grosser Verehrer von Lord Vishnu, den man auch Narayana nennt. Narada war dafür bekannt immer etwas Unsinn und Unmut zu stiften, aber er tat es immer mit guten Absichten.

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Lord Shiva fragte: „Was führt dich zu uns, weiser Narada?“ Narada verbeugte sich vor der göttlichen Familie und sprach: „Ich bringe euch die Mango der göttlichen Weisheit und des Allwissens. Wer von dieser Frucht kostet, wird damit gesegnet sein, aber nur eine Person darf davon essen.“

Sofort rannten die beiden Brüder zu ihrem Vater.

„Lieber Vater, ich bin der Ältere, bitte gib mir die Mango“, sprach Ganesha höflich.

„Lieber Vater, das ist nicht richtig. Die Älteren sollten zurückstehen und etwas für die jüngeren Geschwister opfern“, sprach Murugan überzeugend.

Narada meinte: „Grosser Lord Shiva, beide deiner Söhne haben recht. Wem willst du die Frucht nun geben?“

Lord Shiva überlegte, versank kurz in sich und verkündete:

„Liebe Söhne, ich konnte keine Entscheidung treffen. Derjenige soll die göttliche Frucht erhalten, der die Erde schneller umkreist hat.“

Murugan war begeistert. Er rief sofort seinen Pfau, stieg auf und startete die Umrundung der Erde. Murugan freute sich, denn er war sich sicher zu gewinnen. Ganesha würde mit seiner Ratte kaum eine Chance haben, als Sieger ins Ziel zu kommen.

Ganesha jedoch war etwas enttäuscht. Er wusste, dass er mit seiner Ratte nicht so lange reisen konnte. Er war jedoch weise und wusste, dass man Probleme am besten lösen kann, wenn man sich richtig konzentriert und fokussiert. So setzte er sich hin und meditierte. Da kam ihm eine wundervolle Idee. Er stand auf, bat seine Eltern aufzustehen, faltete seine Hände zum Gebet und umrundete Shiva und Parvati mit Ehrerbietung dreimal.

Danach streckte er liebevoll seine Hände aus und meinte: „Ich habe die Welt nicht nur einmal, sondern dreimal umrundet. Kann ich bitte die Mango haben?“

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Narada schaute verwirrt und sagte: „Wie kannst du gewinnen, ohne die Welt zu umrunden?“

„Meine Eltern sind die ganze Welt für mich und ich habe sie dreimal umrundet.“

Shiva und Parvati waren berührt und ergriffen von der Weisheit ihres kleinen Ganeshas. Sie gratulierten ihm und Shiva übergab ihm die göttliche Mango.

Als Murugan zurückkehrte, war er überrascht seinen Bruder Ganesha mit der Frucht zu sehen. Doch nachdem er vernahm, wie alles geschehen war, akzeptierte er Ganesha als Sieger.

Doch die Niederlage gab Murugan zu denken. Er beschloss, nach Südindien zu reisen und die Hügel in Palani zu besuchen um dort zu meditieren und zu beten. Seine Eltern Shiva und Parvati holten ihn einige Zeit später ab, um nach Kailash zurückzukehren. Ein wunderschöner Murugan-Tempel steht noch heute in Palani (Tamil Nadu). Es gibt sechs Haupttempel für Lord Murugan in Indien. Sie heißen die „Arupadai Veedu“ und dieser in Palani ist einer davon.

Von Irène in Indien

Seit über 12 Jahren lebe ich nun bereits mit meiner Familie in Chennai, meiner neuen Heimat.

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