Bangen und Hoffen

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Anstrengende und schwierige Tage liegen hinter uns. Zum 1. August, dem Nationalfeiertag der Schweiz, wurden wir mit Sorgen beschert. Kurz nach sieben Uhr morgens klingelte meine Schwiegermutter Sturm und ich wusste sofort, dass etwas nicht stimmte. Prabhu war schon aus dem Haus, weil er einen wichtigen Geschäftstermin hatte. Als ich im unteren Stock ankam, fand ich meinen Schwiegervater in einem erbärmlichen Zustand vor. Er war ganz schwach, seine Sprache stark beeinträchtigt und verlangsamt. Ich dachte sofort an einen Hirnschlag und reagierte sofort. Prabhu organisierte mir die Ambulanz und ich überzeugte meine Schwiegereltern, dass wir umgehend ins Spital müssten. Mein Schwiegervater sträubte sich zuerst, meinte er wolle noch warten und meine Schwiegermutter wiederholte ständig: „No ambulance, no ambulance!“  Die Gute wollte unbedingt Aufsehen in der Nachbarschaft vermeiden. Doch die Ambulanz war schnell vor Ort und ich fuhr hinten neben der Liege mit meinem Schwiegervater mit Blaulicht ins Spital. Die Fahrt war sehr abenteuerlich und ich wurde noch selten so durchgeschüttelt. Leider gaben die anderen Verkehrsteilnehmer die Strasse kaum frei, dadurch musste der Fahrer sich immer wieder von Rechts und Links überholend durch den Verkehr schlängeln. Von einer Rettungsgasse hat hier noch keiner gehört!

Im Spital kümmerte man sich sofort um ihn und schnell fanden sie heraus, dass sein Zuckerspiegel im Keller lag. Eine Infusion mit einer Glukoselösung wurde angehängt und bald darauf normalisierte sich seine Sprache wieder. Gott sei Dank! Prabhu, der etwa eine halbe Stunde später im Spital eintraf, übernahm das Weitere und ich war froh, dass ich kurz durchatmen konnte. Sie beschlossen ihn stationär aufzunehmen und zu überwachen.

Langsam ging es gegen 10 Uhr. Palmhörnchen-Fütterungszeit! Da alles soweit organisiert war, fuhr mich Prabhus Freund gegen 10:30 nach Hause und ich fütterte die Kleinen. Doch Speedy war irgendwie seltsam drauf. Er machte so seltsame Zirpgeräusche, die ich noch nie vorher gehört hatte. Nach dem Füttern pfiff er immer wieder nach mir und ich hatte einfach ein ungutes Gefühl. In der Hörnchen-Gruppe beruhigten sie mich erst mal, meinten dies sein normal.

Natürlich war auch meine Schwiegermutter durch den Wind. Da mein Schwiegervater alles für sie macht, musste ich mich nun auch um sie kümmern und alle Mahlzeiten zubereiten.

Am nächsten Tag ging es meinem Schwiegervater bedeutend besser. Zur Beobachtung blieb er jedoch noch im Spital.

Speedy jedoch gefiel mir immer weniger. Er trank nicht richtig und als ich nach einem Besuch im Spital zurückkam, lag er ganz apathisch und unterkühlt in der Ecke der Spielkiste. Ich befürchtete schon, dass das kleine Wesen in meinen Händen sterben würde und mir kamen die Tränen. Ich wärmte ihn sofort mit einem warmen Tuch auf und gab ihm etwas Milch, die er jedoch kaum trank. Ständig öffnete er sein Mäulchen und er hatte Probleme beim Atmen. Wie war ich froh, um die Ratschläge aus den Facebook-Gruppen. Wahrscheinlich hatte sich Speedy verschluckt. Nach Anweisungen der Expertinnen habe ich ihn dann kopfüber gehalten und leicht auf den Rücken geklopft. Nach scheinbar unendlich langer Zeit hat er dann sein Zünglein rausgestreckt und den Mund weit geöffnet. Dies wiederholte sich einige Male und ich hoffte und spürte irgendwie, dass dies ein gutes Zeichen war. Speedy war wieder lebhafter und sehr unruhig, er krabbelte andauernd aus dem warmen Nest und trank etwas Milch. Um Mitternacht machte ich ihm sein Nest wieder im Kessel bereit, denn das Risiko ihn in der Spielkiste zu lassen, war mir zu gross. Kaum lag ich im Bett pfiff er schon wieder nach mir und ich steckte ihn wieder tief in sein Nest zurück. Ängstlich und unsicher schlief ich dann schliesslich übermüdet ein. Als ich nach zwei kurzen Stunden ängstlich nach ihm schaute, staunte ich nicht schlecht. Zwei hellwache Äuglein sahen mich munter und erwartungsvoll an. Speedy hatte keine Atemprobleme mehr und auch das Geräusch war verschwunden. Ein kleines Wunder! Gierig trank der Kleine 2 ml Milch und als ich Rosa nach weiteren zwei Stunden fütterte, trank er nochmals 2 ml. Speedy ist wieder ganz der Alte und es geht ihm ausgezeichnet.

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Heute durfte auch mein Schwiegervater wieder nach Hause. Ich bin jetzt fleissig am Blutzucker- und Blutdruck messen. Der Blutzuckerspiegel hat immer noch grosse Schwankungen und ich hoffe sehr, dass wir dies wieder ins Lot bringen können…

Von Irène in Indien

Seit über 12 Jahren lebe ich nun bereits mit meiner Familie in Chennai, meiner neuen Heimat.

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