Kolams – vergängliche Kunst im Alltag -mit Anleitung zum Selbstversuch!

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Der Alltag einer indischen Hausfrau beginnt in der Regel früh am Morgen. Bereits in der Früh sieht man Hausfrauen und Maids mit Palmreisig-Besen und Wasser den Hauseingang reinigen. Danach wird mit weissem Kalkpulver ein neues Kolam oder ein einfaches Rangoli vor den Eingang gestreut.

Die Muster sollen Besucher willkommen heissen und schlechte Energien fernhalten.

Früher streute man Reismehl um die Ameisen und Vögel zu füttern. Man glaubte an ein harmonisches Zusammenleben, an ein Geben und Nehmen mit allen Kreaturen.

Kolams zu streuen ist eine Kunstfertigkeit, die ich sehr bewundere. In Tamil Nadu sind es Muster, die nach einem systematisch angelegten Punktmuster entstehen. In der Regel wird jeder Punkt umflochten, d.h. umstreut. So entstehen wunderschöne Kunstwerke. Wer sich einmal selbst in dieser Kunst versucht hat, weiss wie schwierig es ist. Bereits für die Versuche auf dem Papier braucht man plötzlich Hirnwindungen, die man zuvor selten gebraucht hat.

Bei uns in der Stadt sind die Kolams des Alltags eher bescheiden und oft flüchtig, lieblos hingestreut. In vielen Haushalten übernimmt die Maid diese Aufgabe, denn viele Frauen sind heutzutage berufstätig und haben keine Zeit. Es hat jedoch einige wenige Häuser, wo ich auf meinem Morgenspaziergang immer kurz verweile und die Muster bewundere. Speziell eine alte Frau bei uns in der Nähe gibt sich täglich so viel Mühe. Wenn ich sie sehe, mache ich ihr oft ein Kompliment und sage: „*Rombe nallarke!“ Da freut sie sich immer sehr.

Viel einfacher finde in der Regel die Rangolis, auch die werden nach Punktmustern gestreut, aber man hat viel mehr gerade Linien, wo man absetzen kann und die Muster sind mir vertrauter.

Wenn ich denke, dass ich ein neues Kolam wirklich verinnerlicht und auswendig gelernt habe, dann beginnt bei mir die Phase der Ernüchterung, wenn ich das Kolam streuen will.

Der Boden ist plötzlich uneben, die Verhältnisse viel grösser und die Orientierung viel schwieriger. Schon die Punkte in genauen und geraden Abständen hinzustreuen ist eine Herausforderung. Ist das Punktnetz nicht genau, dann ist bereits alles zum Scheitern verurteilt.

Auch hier gilt: Übung macht den Meister!

Manche Frauen sind darin unglaublich geschickt und sie streuen sogar Doppellinien flüssig und ohne Unterbrüche. Prabhus Schwester kennt  viele Kolams und Rangolis auswendig. An Fest- und Feiertagen beteiligen sich meist alle Frauen des Hauses an riesigen und zeitaufwändigen Mustern bei denen dann oft auch andere Farben eingesetzt werden.

*Rombe nallarke – auf Tamil: sehr schön

Doch versuch es doch einfach selbst! Viel Spass beim Ausprobieren!

Hier eine kleine Anleitung:

  1. Lege ein 9er Punktgitter an6409ACAA-F2FA-4328-A9BD-78737A3EEFC3

Beginne das Muster vom Zentrum aus.

2.

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3.

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4.

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5.

Die übrigen fünf Punkte an jeder Ecke umkreist du folgendermassen:

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Beim freien Punkt, der am nächsten zum Zentrum liegt, musst du aufpassen! Hier werden zwei Punkte auf einmal umkreist.

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6.

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8.

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Von Irène in Indien

Seit über 12 Jahren lebe ich nun bereits mit meiner Familie in Chennai, meiner neuen Heimat.

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