Rishikesh – von Yoga bis Gummiboot

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Umgeben von Wald und Hügeln am Fusse des Himalayas liegt die Pilgerstadt Rishikesh. Die berühmte Yoga-Stadt am Ganges ist Ausgangsort für Pilgerreisen zu den Quellen der Mata Ganga (Mutter Ganges) und zum Neelakantha Mandir. Der Tempel ist Lord Shiva gewidmet. Er liegt rund 32 km von Rishikesh entfernt auf einer Höhe von 1330 m.ü.M. Man erreicht den Tempel nach einer 3-4 stündigen Wanderung durch den Dschungel. In der hinduistischer Mythologie wird erzählt, dass Lord Shiva hier das Gift Halahala getrunken hat, das beim Aufquirlen des Milchozeans entstand. Er schluckte es jedoch nicht ganz herunter und hielt es im Hals zurück. So wird Shiva auch Neelakantha (Blauhals) genannt.

Der heilige Fluss fliesst hier noch rein und in seiner ganzen Schönheit vorbei. Zwei schmale Hängebrücken (Lakshman Jhula und Rama Jhula) prägen das Stadtbild. Von der Lakshman Jhula erzählt die Legende, dass an dieser Stelle tatsächlich Lakshman, der jüngere Bruder von Lord Rama mit Seilen den Ganges überquert hätte.

Die beiden Brücken sind nur für Fussgänger und Motorräder zugelassen. Auf den Brücken hat man eine wunderbare Aussicht über den Ganges, aber es herrscht emsiges Treiben. Menschen, Motorräder, Handwagen, Fahrräder und ab und zu sogar eine Kuh machen sich die enge Brücke streitig. Je näher man der Mitte kommt, desto mehr beginnt es unangenehm zu wackeln und zu schaukeln.

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Rishikesh ist die berühmte Yoga-Stadt. Es hat sehr viele Ashrams und Yogazentren, wo man verschiedene Yogaschulen besuchen kann. Oft trifft man in Orange gekleidete, bärtige Sadhus (Bettelmönche), die hartnäckig und ungeniert um Geld betteln. Prabhu wurde manchmal ganz schön ärgerlich, denn viele überschritten die Grenzen des Anstandes und reagierten frech und ungehobelt, wenn man nichts oder nur einen 5er oder 10er gab. In der Stadt wimmelt es auch von Astrologen und Handlesern. Rishikesh wirkt auf mich wie ein kleines Esoterik-Mekka. Da ich immer etwas neugierig bin, haben wir einen Handleser getestet und nach rund einer Stunde sind wir mit vielen allgemeinen Informationen, die auf jeden mehr oder weniger zutreffen könnten, weiter gezogen. Unser Fazit: Mehr Schein als Sein!

In Rishikesh trifft man unglaublich viele Rucksack-Touristen. In ihren esoterischen Yoga-Outfits konnte ich viele spirituell Suchende erkennen. Ungeniert und locker frönten einige auch in der Öffentlichkeit dem Cannabis-Konsum und ich fragte mich, ob diese jungen Menschen die harten Gesetze Indiens kennen, wenn es um Drogenbesitz und –konsum geht. Doch auch hier lässt die Korruption zu, was eigentlich verboten wäre und viele Polizisten bessern so sicher ihr Gehalt auf.

1968 reisten die Beatles nach Rishikesh. Im Ashram von Maharishi Mahesh Yogi beschäftigten sie sich mit Transzendentaler Meditation. Viele berühmte Lieder (Ob-La-Di, Ob-La-Da, Dear Prudence, Mother Nature’s Song, … ) wurden scheinbar in Rishikesh geschrieben. Doch lange hielten es die Pilzköpfe nicht mit ihrem Guru aus. Ringo Star reiste bereits nach 10 Tagen ab, weil er scheinbar das scharfe Essen nicht vertrug und seine Frau schreckliche Angst vor Insekten hatte. Paul Mc Cartney verliess den Ashram nach einem Monat und John Lennon und George Harrison nach sechs Wochen. Es kam zu grossen Unstimmigkeiten mit dem Guru. Zum endgültigen Bruch kam es, als Maharishi Mahesh Yogi 25 Prozent der Einnahmen des nächsten Albums für sich beanspruchte. Einige Jahre nach dem Besuch der Beatles gab Maharishi den Ashram auf. Lange Jahre war das Gelände des Ashrams, das im Tigerreservat Rajaji liegt, für Besucher nicht zugänglich. Dies hielt jedoch einige Musikfans nicht davon ab über die Mauer zu klettern oder den Watchman zu bestechen um das Gelände trotzdem zu besichtigen. Im Inneren haben sich viele Fans mit tollen Graffitis und Liedtexten verewigt. Heute ist das Gelände als eine Art „Beatles-Pilgerstätte“ wieder offiziell geöffnet. Gegen ein Eintrittsgeld von 600 Rupees für Ausländer und 150 Rupees für indische Staatsangehörige kann man das Gelände besuchen.

Viele reiche Inder besitzen in Rishikesh Ferienhäuser und -apartments. Durch die gut zahlende, anspruchsvolle und oft westlich orientierte Kundschaft hat der Adventure-Tourismus einen grossen Schub bekommen. Überall sieht man Angebote für River Rafting, Rock Climbing, Kayaking oder auch für Trekkingtouren in den Himalaya.

Von Irène in Indien

Seit über 12 Jahren lebe ich nun bereits mit meiner Familie in Chennai, meiner neuen Heimat.

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