Der teuerste Film Indiens

Filmplakat

Da sitzen wir nun mit unseren 3D-Brillen auf der Nase. Gerade pünktlich zum Filmanfang haben wir es geschafft, im proppenvollen Kinosaal unsere Sitze zu finden. Dass wir das obligate Aufstehen zur indischen Nationalhymne verpasst haben, erfreut uns insgeheim. Suriyan ärgert sich immer sehr über das nationale Gehabe, das unter Modis Regierung wieder eingeführt wurde.

Der südindische Superstar Rajinikanth, man könnte schon fast sagen Moviegott, ist im neusten Tamil Movie 2.0 zu sehen. Die Produktionskosten von 543 crore (US $ 76 Millionen) toppen alle bisher in Indien produzierten Filme. Der Science-Fiction-Action-Film ist gespickt mit Special-Effects. In weiteren Hauptrollen spielen auch Akshay Kumar und Amy Jackson. Diese Kombination lockt die Leute scharenweise in die Kinosäle. In der Phoenix Mall läuft der Film in 3D in sechs verschiedenen Kinosälen mit je 3-4 Vorstellungen täglich. Eine Karte kostet hier in Chennai für die 3D Variante rund 2.80 Euro. Am 6. Dezember, nach nicht ganz zwei Wochen Spielzeit,  hatte der Film bereits US $ 72 Millionen eingebracht.

Die Handlung ist recht simpel. Eine unerklärbare Kraft lässt plötzlich in ganz Tamil Nadu alle Handys verschwinden. Der Naturwissenschaftler, Dr. Vaseegaran, der sich mit humanoiden Robotern beschäftigt, kommt schliesslich dem Rätsel mit Hilfe seiner beiden Robotern Chitti und Nila auf die Spur.

Rajinikanth spielt in einer Doppelrolle Dr. Vaseegaran und den humanoiden Roboter Chitti. Immer wenn er unerwartet auf der Leinwand erscheint oder etwas Heldenhaftes oder Lustiges tut, johlen und jubeln die Zuschauer. Neben mir sitzt ein Paar mit ihrer kleinen Tochter. Sie ist so fasziniert von den 3D Effekten, dass sie immer wieder versucht die fliegenden Handys mit dem Händen zu ergreifen.

Mich langweilt der Film bereits nach 10 Minuten, da ich aber meine Männer zu diesem Kinoerlebnis überredet habe, lasse ich mir nicht viel anmerken. Doch der vorwurfsvolle Blick unseres Sohnes in der Pause spricht Bände. „Willst du die zweite Hälfte noch sehen“, frage ich meinen Liebsten. Eigentlich hat er nicht grosse Lust dazu, aber wir bleiben dann trotzdem. Suriyan deckt uns mit einer grossen Tüte Popcorn ein, so überstehen wir auch die zweite Hälfte. Im weiteren Verlauf entwickeln Roboter Chitti und der weibliche Roboter Nila Gefühle für einander. Mein Liebster flüstert mir belustigt ins Ohr: „Bei uns Indern ist sogar eine Liebesgeschichte zwischen Robotern möglich!“

Das Ende zieht sich fürchterlich in die Länge und als dann der Roboter Chitti, tausendfach im Miniformat produziert, auf Tauben fliegend die Welt rettet, wird es echt anstrengend auszuharren.

Endlich können wir den Kinosaal nach einem fulminanten Elekto-Tanz von Chitti und Nila verlassen.

„Was für eine Zeit- und Geldverschwendung“, meint unser Sohnemann.

Ja, das war es tatsächlich und trotzdem haben wir ihn gesehen: Den teuersten Film Indiens!

Fotokulisse
Fotokulisse am Ausgang um Erinnerungsfotos mit den beliebten Stars zu machen.

Von Irène in Indien

Seit über 12 Jahren lebe ich nun bereits mit meiner Familie in Chennai, meiner neuen Heimat.

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