Tipps für Indienreisende

Das erste Mal in Indien? Das solltest du wissen:

In Indien funktioniert vieles anders, als man sich von der westlichen Kultur her gewohnt ist. Glücklicherweise sind die Inder gegenüber Touristen und „Indian Greenhorns“ recht großzügig, wenn es ums Einhalten der indischen Etikette geht. Wer jedoch nicht gerne ins Fettnäpfchen tritt und Fehler vermeiden möchte, der sollte folgende Punkte beachten.

Kleider machen Leute

In der indischen Kultur ist ordentliche und saubere Kleidung etwas sehr Wichtiges. Der Hippie-Gammel-Look, den manche Touristen in Indien tragen, kommt in der Regel gar nicht gut an. Die meisten Inder sind bezüglich Kleidung konservativ eingestellt. In den Citys sieht man zwar immer mehr westliche Kleider, aber die wenigsten tragen Shorts, Miniröcke oder Spaghettiträger-Tops. Es sei denn, man ist in einer hippen Bar, einem Fünfstern-Hotel oder natürlich in Goa. Dort tragen sogar indische Frauen aus der Oberschicht körperbetonte Kleidung und zeigen viel Haut.

Ich empfehle Indienreisenden sich konservativ, angemessen und achtsam zu kleiden. Die Beine und Schultern sollten bedeckt sein. Großzügige Ausschnitte sollten Frauen mit einem Schal abdecken. Männer haben etwas mehr Spielraum. An sehr touristischen Orten sind Shorts okay. Besucht man jedoch gehobenere Lokale oder religiöse Stätten sind auch bei Männern lange Hosen ein Muss.

Natürlich kann in Indien jede und jeder tragen, was sie oder er will. Wahrscheinlich wird auch niemand etwas sagen, höchstens ungläubig starren, heimlich schmunzeln oder innerlich den Kopf schütteln. Man wird jedoch mit Sicherheit anders, d. h., mit weniger Respekt und Achtung, auf unangemessene Kleidung reagieren.

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Schuhe bleiben draußen

Mit Schuhen betritt man in Indien kein Haus und schon gar keinen Tempel. Schuhe gelten als unrein, da sie meist aus Leder gemacht sind und natürlich, weil sie schmutzig und staubig sind.

Auch in vielen Geschäften stehen Schilder an der Tür „Please leave your shoes outside“.

Die rechte Hand

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In Indien gilt die linke Hand als unrein, da viele sich mit dieser nach dem Toilettengang reinigen.

Im Kontakt mit Essen sollte man darauf achten, dass man nur die rechte Hand braucht. Auch beim Weiterreichen oder beim Schöpfen von Speisen sollte man der rechten Hand stets Vorrang geben.

Das Gleiche gilt beim Bezahlen. Viele Inder sind sehr abergläubisch und deuten es als schlechtes Omen, wenn man Geld mit der Linken überreicht.

Finger und Füße

Wie bei uns in der westlichen Kultur ist es unhöflich, mit dem Finger auf jemanden zu zeigen. Das Gleiche gilt bei den Füßen. Es ist respektlos etwas mit den Füßen zu berühren oder darauf zu zeigen. Passiert mal ein Missgeschick, sollte man sich sofort entschuldigen.

Auf der andern Seite ist es durchaus üblich, dass die Füße von älteren Respektspersonen berührt werden. Mit dieser Geste bringt man seine Achtung zum Ausdruck und bittet um den Segen.

Nicht beleidigt sein, wenn persönliche Fragen gestellt werden

Für Menschen, die in der westlichen Kultur aufgewachsen sind, erscheinen die indischen Landsleute oft etwas ungehobelt, manchmal sogar unhöflich. Da trifft man einen Inder zum ersten Mal und der fragt ungeniert: Are you married? Do you have children? What’s your profession?

In Indien kennen viele keine Privatsphäre und so sind Fragen nach Familie, Beruf oder sogar nach dem Gehalt üblich. Wem dies zu viel ist, der sollte es mit der Wahrheit nicht zu genau nehmen. Natürlich darf man auch zurückfragen! Oft sind die Leute darüber erfreut und man kommt ins Gespräch. Fragen über Politik und Religion können jedoch sehr heikel sein und sollten besser vermieden werden.

Bitte und Danke

Die Zauberwörter Bitte und Danke, die uns in der westlichen Kultur in Fleisch und Blut übergegangen sind, hört man in Indien selten. Ein Grund dafür liegt auch in der anderen Sprachkultur. Die formelle, höfliche Anrede schließt oft ein Bitteschön ein.

Ich erinnere mich noch gut an meine Anfangszeit in Indien. Ich dachte wirklich, dass ich nur von unhöflichen, unerzogenen Menschen umgeben bin.

In der Familie und unter Freunden ist danken unüblich. Man kann damit sogar jemanden verletzen und unnötig Distanz aufbauen. Wenn ich mich bei meiner Angestellten für etwas bedanke, dann sagt sie stets: „No thanks, Mam!“

Im Vergleich zu indischen Zeitgenossen bin ich auch heute noch sehr höflich. Ich wurde scheinbar gut erzogen und diese Wörter sind bei mir verinnerlicht.

Ich komme so zurecht und viele wissen ein Danke auch zu schätzen.

Bei aufdringlichen Bettlern, übereifrigen Geschäftemachern oder bei schlechtem Service sollte man jedoch auf Höflichkeit definitiv verzichten.

Begrüßen

Namaskar oder Namaste ist die gängigste Grußform in vielen Teilen Indiens. Sehr schön finde ich die spirituelle Bedeutung von Namaste. Grob übersetzt bedeutet es: „Ich grüße das Göttliche in dir.“ Dabei hält man die gefalteten Hände vor der Brust zusammen und verbeugt sich leicht. Diese traditionelle Begrüßung wird auch gebraucht, um sich zu verabschieden.

Hier in Tamil Nadu sagt man Vanakkam.

Unter Männern etabliert sich der Händedruck immer mehr.

Als Frau sollte man den Händedruck zu Männern vermeiden, es sei denn man bewegt sich in der Oberschicht oder in der indischen Geschäftswelt.

Einkaufen und feilschen

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Mit weißer Haut steigen die Preise der Händler, Geschäftsinhaber, Autoriksha-Fahrer, … massiv an. Es ist zwar oft mühsam, ermüdend und zeitaufwendig, aber man muss um die Preise feilschen. In der Regel kann man als Tourist den Preis um die Hälfte runterhandeln. Leider sind die Inder uns im Handeln meist bei Weiten überlegen und sie lesen anhand unserer Mimik und Gestik genau, was uns interessiert. Ein Pokerface und Desinteresse zu zeigen, kann durchaus helfen, die überrissenen Touristenpreise zu senken. Hilfreich ist es auch, wenn man den Laden nach erfolglosen Preisverhandlungen einfach verlässt. Meistens wird man dann zurückgerufen und bekommt einen besseren Preis.

Vom Nein-Sagen

In Indien ist es oft wichtig und angebracht klar NEIN zu sagen. Wenn es jedoch um Einladungen zu Hochzeiten oder Hauseinweihungen geht, braucht es mehr Fingerspitzengefühl, um nicht respektlos und unfreundlich zu erscheinen. Man sollte bei Einladungen nie direkt Nein sagen. Besser man sagt: „Ich werde versuchen zu kommen.“

Indian Stretchable Time

Die Zeit tickt in Indien anders. Als pünktlicher Mensch aus der westlichen Kultur kann dies sehr nervenaufreibend und frustrierend sein. Man tut besser daran, sich auf die Indian Stretchable Time einzustellen. Durch den Verkehr bedingt, kann man sich in Indien tatsächlich schnell verspäten.

Mit einer Verspätung von 30 Minuten oder mehr zu einer Verabredung zu erscheinen, ist für Inder absolut normal. Am besten man richtet sich darauf ein, kommt selbst etwas später und hat etwas dabei um die Wartezeit zu überbrücken.

Zärtlichkeiten in der Öffentlichkeit

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Sexualität ist in Indien ein großes Tabuthema. Die indische Gesellschaft ist diesbezüglich sehr konservativ eingestellt. In der Öffentlichkeit zu küssen, sich zu umarmen oder nur Händchen zu halten ist ein No-Go.

Junge Männer jedoch laufen oft Hand in Hand oder Arm in Arm durch die Gegend. Dies hat nichts mit Homosexualität zu tun, sondern ist Ausdruck der Freundschaft.

Rauchen und Alkohol

Das Rauchen und Trinken von Alkohol ist in Indien aus religiösen Gründen oft verpönt. Seit vielen Jahren darf nicht mehr auf öffentlichen Plätzen geraucht werden und das Einführen von E-Zigaretten ist verboten. In einigen Bundesstaaten, beispielsweise in Gujarat ist der Alkoholkonsum gänzlich verboten. Im Jahresverlauf gibt auch viele sogenannte „Dry Days“. Vor Wahlen, aber auch an vielen Festtagen darf kein Alkohol verkauft oder ausgeschenkt werden. In Indien ist es für Restaurants schwierig eine Lizenz für den Ausschank von Alkohol zu bekommen.

An sehr touristischen Orten bekommt man manchmal auf diskrete Anfrage illegal ein Glas Wein oder ein Bier. Dieses wird dann meist unauffällig in einem normalen Trinkglas serviert.

Es ist jedoch nicht so, dass in Indien nicht getrunken und geraucht wird. Die Inder haben jedoch keine Trinkkultur, wie wir sie kennen. Gerne wird Whiskey und Rum getrunken – und dies nicht zu wenig!

Frauen, die rauchen oder trinken sind in Indien selten anzutreffen. Diese gehören in der Regel zur oberen Mittel-oder Oberschicht.

Im Beisein einer Respektperson wird in der Regel nicht geraucht oder getrunken. Mein Mann würde nie vor seinen Eltern rauchen oder etwas trinken. (Obwohl die inzwischen längst wissen, dass er dies ab und zu tut.)

Als Tourist bleibt einem nichts anderes übrig, als sich den gegebenen Umständen mit Umsicht anzupassen.

Schließe nicht von einem Erlebnis auf alle andern

Indien ist ein riesiges Land mit vielen kulturellen Hintergründen, vielen verschiedenen Menschen und Religionen. Was in einem Landesteil, in einer bestimmten Schicht oder Kaste üblich ist, muss nicht zwingend in ganz Indien so sein. Beurteile und verurteile die Menschen und ihr Verhalten nicht vorschnell. Vieles wird man auf den ersten und vielleicht auch auf den zweiten Blick nicht verstehen können. Versuche diesem vielfältigen Land mit einer gewissen Offenheit und Respekt zu begegnen.

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Wenn du mehr über das richtige Verhalten in einem hinduistischen Tempel wissen möchtest, lies hier:

https://meinlebeninindiendotblog.wordpress.com/2018/10/17/besuch-in-einem-hindutempel-das-solltest-du-wissen/

Mehr über den Gebrauch der rechten Hand im indischen Alltag:

https://meinlebeninindiendotblog.wordpress.com/2018/06/10/rechts/

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Von Irène in Indien

Seit über 12 Jahren lebe ich nun bereits mit meiner Familie in Chennai, meiner neuen Heimat.

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