Trinkgelder in Indien – die Rupie rollt

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Ich bin immer wieder erstaunt, wie unüberlegt und unwissend manche Touristen im Indienurlaub mit Trinkgeldern umgehen. Die einen scheinen mit Spendierhosen ausgerüstet zu sein und geben Trinkgelder, die teilweise einem ganzen Tagesverdienst entsprechen und andere zeigen sich so knausrig, dass es schon fast peinlich wird. Ich gönne jedem ein gutes Trinkgeld, denn die Löhne im Bereich der Dienstleistungen sind in Indien wirklich erschreckend niedrig. Auch wenn einem der eine Euro hier und da nicht wehtut, sollte man trotzdem bedenken, wie es ankommt, wenn man für kleine Dienstleistungen viel zu hohe Tips gibt. Da werden Erwartungshaltungen aufgebaut, die nicht jeder Reisende erfüllen kann oder will. Zukünftige Touristen werden es euch danken, wenn ihr versucht, einen guten Mittelweg zu finden.

Eine weiße Haut zu haben, bedeutet für die meisten Inderinnen und Inder, dass man mit Wohlstand und Geld gesegnet ist. Im Vergleich zu einem großen Teil der Bevölkerung Indiens trifft dies natürlich auch zu.

Gerne teile ich mit euch einige aktuelle Gehälter, die hier in Chennai ungefähr bezahlt werden.

  • Kellner in einem einfachen Restaurant: 4000-6000 INR pro Monat (rund 51-77 Euro)
  • Gelernter Kellner in einem 5 Sternhotel: 18‘000-20‘000 INR pro Monat (rund 230-255 Euro)
  • Sous Chef in einem 5 Sternhotel: 30‘000 INR pro Monat ( rund 383 Euro)
  • Ungelernter Arbeiter auf dem Bau: pro Tag 500 INR bei acht Stunden Arbeit. (rund 6.40 Euro)
  • Krankenschwester: 15‘000 – 25‘000 INR Rupees pro Monat (rund 191 -318 Euro)
  • Putzfrau: tägliches Putzen einer 4-Zimmerwohnung hier in unserem Wohnquartier in Chennai 2500 INR pro Monat bei einem zeitlichen Aufwand von ungefähr 2-3 Stunden. (rund 32 Euro)
  • Privater Chauffeur Vollzeit : 12‘000 bis 15‘000 INR pro Monat. (rund 153-191 Euro)

Trinkgeld ist immer Ausdruck der Kundenzufriedenheit. Ist man unzufrieden mit einer Dienstleistung, dann sollte man auch keine Tips geben.

Die Schwierigkeit in Indien ist, dass man ständig einen Mangel an kleineren Scheinen hat. Besonders auf Reisen werden die 5er, 10er und 20er wichtig. Daher sollte man die großen Scheine, die man beim Automaten rausgelassen hat, möglichst schnell loswerden, sodass man immer etwas Kleingeld hat. Oft wird man beim Bezahlen gefragt, ob man es kleiner hat, denn auch hier ist Wechselgeld oft rar. Wenn ich knapp an kleinen Scheinen bin, verneine ich dies und nehme es in Kauf etwas länger auf mein Wechselgeld zu warten. Man sollte darauf achten, dass die Geldscheine nicht beschädigt sind, denn diese bringt man nicht mehr los. Man könnte sie bei der Bank eintauschen, aber der administrative und zeitliche Aufwand lohnt sich in der Regel nicht.

Ich merke mir immer ungefähr was für Kleingeld ich in meinem Portemonnaie habe. Öffnet man seine Geldbörse, um einem alten Bettler einen 5er oder 10er zu geben, sollte man schließlich auch wissen, ob man überhaupt noch einen dabei hat.

Wenn der Service gut war, dann sollte man im Restaurant rund 10 Prozent geben. Manche Restaurants berechnen die Service Charge mit 10 Prozent selbst, obwohl dies eigentlich nicht zugelassen wäre und die Angestellten wohl nichts davon sehen. Sind die Service Charge auf der Rechnung aufgelistet, dann sollte man kein Trinkgeld mehr bezahlen. Bitte nicht verwechseln mit der SGST, der State Goods and Service Tax, die mit 2.5 % als Teil der Mehrwertsteuer immer verrechnet wird.

Quittung

Wenn man edel und teuer speist, kann man ruhig auf 5-7 % runter gehen oder, wenn der Service ausgezeichnet war, an den 10 Prozent festhalten.

Im Hotel sollte man an der Rezeption immer darauf achten oder nachfragen, ob es eine Tip-Box gibt. Hier kann man am Abreisetag einen größeren Betrag einwerfen, der dann hoffentlich allen Angestellten zu Gute kommt. Auch hier würde ich, je nach Zufriedenheit 5-10 Prozent der Gesamtrechnung übergeben. Will man einzelne Angestellte, die besonders nett und zuvorkommend waren, mit einem Trinkgeld beglücken, mache ich dies in der Regel am Abreisetag mit einem etwas höheren Betrag. Hier rechne ich pro Tag, je nach Hotel, zwischen 20-50 Rupees. Je teuerer das Hotel, desto höher sollten auch die Tips ausfallen. Erfüllen Angestellte extra Botengänge, die nicht zur üblichen Arbeit gehören, sollte man diese immer mit einem Trinkgeld belohnen. Besorgt mir ein Angestellter beispielsweise eine Flasche Bier im Ort, dann würde ich ihm 50-100 Rupees zustecken.

Einem Kofferträger gebe ich in der Regel einen 10er oder 20er. An Bahnhöfen können Kofferträger ganz schön aufdringlich werden und das Gepäck einfach unaufgefordert an sich reißen. Ich mag das gar nicht und trage es dann lieber selbst oder suche mir jemanden aus. Auch hier bewährt es sich als weisser Tourist den Preis vorher auszumachen, ansonsten muss man am Ende lange Preisverhandlungen führen.

Ist man mit einem Taxi oder einer Riksha unterwegs, werden keine Trinkgelder erwartet. Beim Bezahlen rundet man meistens auf, da die Fahrer oft kein Wechselgeld haben.

Wenn man für längere Zeit mit einem eigenen Fahrer reist, dann erwartet er am letzten Reisetag ein Trinkgeld. Auch hier sollte der Tip nach Zufriedenheit ausfallen. Ich würde je nach Größe der Gruppe 300-600 Rupees pro Tag geben.

Für einen Touristenführer sollte man je nach Zufriedenheit und Qualität rund 100 – 200 Rupees Trinkgeld einrechnen. Bei einer Gruppentour 50 – 100 Rupees pro Person. Ist es eine absolut professionelle und auch auf individuelle Bedürfnisse eingehende Führung, die vom Guide hohe Kompetenzen und Fachkenntnisse verlangt, dann kann das Trinkgeld von 300-1000 Rupees gehen.

Sind wir mit dem Auto unterwegs und essen auswärts, dann bekommt der Parkeinweiser immer einen 10er oder 20er. Auch netten Klofrauen gebe ich oft einen 10er oder lasse einige Münzen da.

Natürlich darf man sich als Tourist auch mal erlauben, für besonders guten Service etwas großzügiger zu sein. Viele Angestellte sind wirklich auf die Zusatzverdienste von Tips angewiesen. Dabei bitte die indischen Gehälter und Lebenskosten nicht ganz vergessen!

Von Irène in Indien

Seit über 12 Jahren lebe ich nun bereits mit meiner Familie in Chennai, meiner neuen Heimat.

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