Mein indisches ABC

A – wie Affen

Affenbanden streifen immer wieder durch unser Quartier. Die Mütter tragen ihre süßen Babies unter dem Bauch und die Teenager klettern draufgängerisch an Strom- und Wasserleitungen herum. Doch aufgepasst, denn so süß, wie sie aussehen, sind sie nicht!

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Ein Affenmännchen zeigt seine gefährlichen Beisserchen.

B – wie Bananen

Lange Zeit kannte ich nur Chiquita-Bananen. Wie tat sich hier in Indien eine neue Bananen-Welt für mich auf. Hier gibt es über 20 verschiedene Bananensorten. Rote Bananen, Kochbananen, gelbe und grüne, kleine und große, …

Banane ist definitiv nicht Banane. Ich mag die Malai Vazhaiparam am liebsten. Das sind kleine, süße Bananen aus den Niligrisbergen. Wusstet ihr, dass Indien weltweit am meisten Bananen produziert?

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Bananenstaude bei uns zu Hause.

C – wie Cricket

Cricket ist in Indien omnipräsent. Bei Länderspielen sitzt wohl fast die halbe Nation vor den Bildschirmen und fiebert mit. Mein Mann, der früher ein ausgezeichneter Cricket-Spieler war und für den Bundesstaat Tamil Nadu gespielt hat, ist absolut verrückt nach dieser Sportart. Er ist damit nicht der Einzige, denn die meisten Inder und Inderinnen stehen auf Cricket. Bis jetzt fand ich diesen Sport, der ein Mix zwischen Baseball und Brennball ist, eher langweilig. Doch ich muss gestehen, dass ich mir bei letzten World Cup einige Spiele angesehen habe. Und ja, manchmal war es sogar richtig spannend!

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D – wie Dämonenfratzen

Diese findet man vor allem an Häusern und an Lastwagen. Diese scheußlichen Fratzen sind eigentlich zur Dämonenabwehr gedacht. Sie sollen das Böse und Schlechte abwenden. Auch an unserem Haus hängt eine Dämonenfratze.

E – wie Elefanten

Ich liebe Elefanten! Wir haben in Nationalparks schon oft wilde Elefanten gesehen. Gefangene Tiere, die zum Kommerz und zum Arbeiten brutal abgerichtet wurden, tun mir jedoch schrecklich leid.

Der Lebensraum dieser wunderschönen Tiere wird leider immer mehr eingeschränkt, sodass es häufig zu Konflikten kommt. Von 2015-2018 kamen in Indien mehr als 1700 Menschen durch Elefanten zu Tode. Im Gegenzug werden jährlich rund 80 Elefanten getötet.

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Wilde Elefanten in Bandipur

F – wie Feiertage

An Feiertagen mangelt es hier nicht. Hat man schulpflichtige Kinder, sind im Jahresverlauf viele Tage schulfrei. Die indische Regierung hat neben nationalen und hinduistischen Feiertagen auch andere Religionen berücksichtigt.

So ist der Karfreitag und Weihnachten schulfrei. Auch an einigen muslimischen Feiertagen, wie Eid ul-Fitr und Eid ul-Adha müssen indische Kinder nicht zur Schule.

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Das wichtigste hinduistische Fest für die Tamilien ist das viertägige Erntedankfest Pongal.

 

G – wie Ganesha

Mein Lieblingsgott in der vielfältigen hinduistischen Götterwelt ist definitiv Lord Ganesha. Der Gott mit dem Elefantenkopf wird in Indien sehr verehrt. Er ist der Gott des guten Anfangs und der Überwinder aller Hindernisse. Für alle neuen Herausforderungen wird er um Hilfe gebeten und auf Hochzeitseinladungen ist er stets präsent, um den Beginn der Ehe zu unterstützen. Was ihn für mich so sympathisch macht: Er wird scheinbar nie zornig und verfügt über unendliche Geduld 😉.

Wie Ganesha zu seinem Elefantenkopf kam, erfährst du hier:

https://meinlebeninindiendotblog.wordpress.com/2018/09/13/happy-vinayaka-chaturthi/

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H – wie Hanuman

Ein anderer populärer Gott ist Hanuman. Er ist quasi der Superman der hinduistischen Götterwelt und ein treuer Anhänger von Lord Rama.

Im großen hinduistischen Epos Ramayana spielt er eine wichtige Rolle. Mit seinen übermenschlichen Kräften half er Lord Rama seine Frau Sita, die von dem bösen Dämonen Ravana entführt wurde, zu befreien.

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I – wie Idly

Die kleinen Reis-Linsen-Küchlein sind aus der südindischen Küche nicht wegzudenken. In Tamil Nadu werden sie zum Frühstück oder zum Nachtessen zubereitet. Mit verschiedenen Chutneys und Sambar schmecken sie einfach herrlich.

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Idly mit Sambar und Tomaten- und Kokosnuss-Chutney

J – wie Jackfruit

Eine Frucht, die ich erst in Indien kennenlernte, ist die Jackfruit. In den heißen Sommermonaten hat die süße Frucht Hochsaison. Ich liebe sie! Auch die Kerne kann man kochen und essen. Sie schmecken leicht nussig und passen gut zu Drumsticks.

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Jackfruits auf dem Weg nach Ooty

K – wie Kingfisher

Der wunderschöne Eisvogel ziert das Label der indischen Bierfirma Kingfisher. Mein Mann mag dieses Bier mit Abstand am liebsten. Ich kann mit Bier, ob indisch, deutsch oder schweizerisch nichts anfangen. Doch Eisvögel in natura liebe ich über alles. Der White-throated Kingfischer lässt sich in unserem Quartier immer wieder blicken. Höre ich sein lautes, durchdringendes Geschnatter, dann entdecke ich ihn meistens auf einem Hausdach oder einer Stromleitung.

L – wie Lungi

Wie lustig und komplett neu fand ich am Anfang meiner Indienzeit die traditionelle Männermode in Tamil Nadu. Neben dem traditionellen weißen Wickelrock Dhoti, tragen viele Arbeiter oft karierte Lungis.

Auch der Lungi ist eine Art Wickelrock, der lang oder wie ein Minirock zur Hälfte gefaltet, getragen wird.

M – wie Monsun

In Tamil Nadu beginnt die Regenzeit normalerweise im Oktober, November manchmal auch erst im Dezember. Doch der Monsun kann es den Menschen kaum recht machen. Da gibt es Jahre, wo die riesigen Wassermassen Häuser fluten, Strassen zu Flüssen anschwellen lassen und wo Menschen Hab und Gut verlieren. Und dann gibt es Jahre, wie das letzte, wo es kaum regnet. 2018 hatten wir nur 45 Prozent der normalen Niederschläge. Wie abhängig das Land und die Menschen vom Monsun sind, zeigt sich momentan besorgniserregend in Tamil Nadu. Meine neue Heimatstadt Chennai leidet unter akutem Wassermangel. Die Wasser-Reservoirs sind leer und die Grundwasserspiegel auf Tiefstand. Vielerorts hat es kein Wasser mehr und die Menschen müssen Wasser in schweren Wasserbottichen nach Hause schleppen. Wasser ist für viele nicht mehr selbstverständlich.

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Unsere Quartierstrasse während dem Monsun

 

N – wie No problem

„No problem, Madam!“ Diese drei kleinen Worte höre ich in meiner neuen Heimat immer wieder. Sei es die Schneiderin, die den Halsausschnitt meiner Kurta zu eng geschneidert hat oder der Elektriker, der die vorgängig bestellte LED-Lampe auswechseln sollte, aber die falsche mitbringt. In Indien gibt es keine Probleme, sondern nur Lösungen. Manchmal sind diese nicht perfekt und zufriedenstellend, aber Lösungen.

 

O – wie Old Monk

Der indische Rum Old Monk ist inzwischen fester Bestandteil in unserem Haushalt.

In heissem Wasser und mit etwas Honig wirkt er super bei allen Erkältungs- und Durchfallerkrankungen.

Er schmeckt uns jedoch auch zum Cricketmatch mit Cola und Zitrone ;-).

Old Monk

 

P – wie persönliche Fragen

Für Menschen, die in der westlichen Kultur aufgewachsen sind, wirken die indischen Landsleute manchmal ungehobelt und frech. Während man bei uns die Konversation mit unbekannten Menschen sorgfältig beginnt und sich über das Wetter austauscht, so fällt der Inder sofort mit der Tür ins Haus. „Are you married? Do you have children? What’s your profession? What’s your husband’s profession? Is this your own house? How much rent do you pay?“ Ich wurde sogar schon noch dem Gehalt meines Mannes gefragt! Ehrlich gesagt, finde ich dies immer noch gewöhnungsbedürftig und nicht grade kommunikationsfördernd.

 

Q – wie Qualität

In meiner alten Heimat ist gute Qualität immer und überall die Norm. Als Schweizerin bin ich damit aufgewachsen, dass Wände gerade sind, dass Fenster auf den Millimeter genau passen, dass Fließen perfekt gelegt und dass sanitäre Installationen funktionieren. Tja, in Indien werden Perfektionisten hart auf die Probe gestellt und manch ausgebildeter Handwerker würde sich hier die Haare raufen und nach zwei Wochen kahlköpfig nach Hause reisen.

Den Vogel hat bei uns ein Sanitär abgeschossen, der weil das WC-Rohr nicht genau passte, still und heimlich zu breitem Klebeband griff. Das Ende der Geschichte: ein riesiger Wasserschaden, der mit viel Geld und Aufwand behoben werden musste.

Quality

 

R – wie Rangoli

Rangoli oder auch Kolams sind Muster, die indische Frauen jeweils am Morgen und am späten Nachmittag mit weissem Kalk- oder Reispulver vor den Hauseingang streuen.

Die Muster sollen Besucher willkommen heißen und das Böse abwenden. Zuerst wird der Boden mit Wasser gereinigt und gewischt. Danach werden die Dots, die Punkte, die sich je nach Kolam oder Rangoli unterschiedlich anordnen, in gleichmäßigen Abständen ausgelegt.

An Festtagen werden die Rangoli bedeutend aufwendiger und es werden teilweise auch farbige Pulver eingesetzt.

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S – sehr scharf

Karam bedeutet in Tamil scharf und so muss das Essen in meiner indischen Familie sein. Bei fast allen Gerichten kommen Chilis oder Chilipulver dran. Als mein Schwiegervater im Spital lag, war er gänzlich unzufrieden mit dem Essen, das serviert wurde. „Karam ille!“, hörte man ihn bei jeder Mahlzeit jammern. Das bedeutet, dass es nicht scharf ist, dass es keinen Geschmack hat.

Schließlich bekam der Arme dann sein gewohntes, scharfes Essen von Zuhause. Ich habe mich inzwischen sehr an das scharfe Essen gewöhnt und liebe es.

Chili

 

T – wie Tuk-Tuk

Die gelb-schwarzen Tuk-Tuks sind aus dem Straßenbild Chennais kaum wegzudenken. Die wendigen, dreirädrigen Rikshas werden hier in Tamil Nadu jedoch Outo genannt, was anfänglich durchaus zu Missverständnissen führen kann. Im dichten Straßenverkehr finden sie jede Lücke und drängeln sich überall durch. Sehr praktisch kann man sich ein Tuk-Tuk nun über Ola oder Uber buchen. So entfällt das nervige Handeln um den Fahrpreis und man ist, da man den Namen des Fahrers und die Autonummer bekommt sicher unterwegs.

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U – wie unpünktlich

Nach über 10 Jahren in Chennai sollte ich es eigentlich wissen.

Habe ich Gäste eingeladen, kommen die in der Regel eine halbe bis eine Stunde zu spät. Punkto Zeit bin und werde ich wohl immer Schweizerin bleiben. Es könnte ja sein, dass plötzlich die Gäste doch pünktlich oder früher als erwartet eintreffen.

Auch bei Schulanlässen kommen viele immer zu spät und so verzögert sich der Beginn immer um mindestens eine Viertelstunde. Die Indian Stretchable Time werde ich wohl nie lieb gewinnen.

 

V – wie Vishnu

Der Gott Vishnu ist einer der Hauptgötter im Hinduismus. Er ist mit Brahma und Shiva Teil der Trimurti, einem Konzept, das den Kosmos in drei verschiedene Kräfte (Schöpfung, Erhaltung und Zerstörung) aufteilt. Brahma ist der Schöpfer, Shiva der Zerstörer und Vishnu der Erhalter. Er sorgt auf der Erde für ein Gleichgewicht zwischen Gut und Böse.

Um die kosmische Ordnung aufrecht zu erhalten, hat sich Vishnu immer wieder inkarniert. Berühmte Inkarnationen sind Rama und Krishna.

Vishnu

 

W – wie was kriecht und fleucht

Ich mag krabbelnde Insekten überhaupt nicht. Inzwischen bin ich jedoch viel relaxter im Umgang mit Kakerlaken, Ameisen und sonstigem Ungeziefer geworden. Da ich mit Gifteinsatz sehr zurückhaltend bin, gibt es in unserem Haus immer wieder mal eine Kakerlake, die den Abfluss rauf krabbelt oder eine Ameisenstraße, die durch unseren Küchenschrank führt. Manchmal kommt es auch vor, dass ich trotz vorsichtigem Check beim Einkaufen irgendwelche Käferchen einschleppe. Am schlimmsten war es jedoch, als Suriyan die Playschool besuchte. Da wurden wir immer wieder mit Läusen beglückt.

Kakerlake

 

X – wie Xerox

Anfangs schnallte ich es überhaupt nicht.

„I need a Xerox of this document.“

So wie die Firma Google nun zum Verb googeln geworden ist, so ist es mit der US-Firma Xerox, die die Drucktechnologie nach Indien brachte. Lasst euch also nicht verwirren. Eine Kopie bedeutet a Xerox!

Xerox

 

Y – wie YES, Madam

Eines habe ich inzwischen auch gelernt. Sei dir nie sicher, ob dein Gegenüber dich auch wirklich verstanden hat. So frage ich immer: „Did you understand?“ Meistens kommt ein selbstbewusstes „YES, Mam!“ Doch ich kann euch versichern, dass auch ein selbstbewusstes YES keine Garantie ist, dass das eben sorgfältig Erklärte, verstanden wurde.

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Z – wie Zärtlichkeiten

Während es in der Schweiz selbstverständlich war, dass mein Mann und ich Hand in Hand spazieren gingen, benahm sich mein Mann in Indien plötzlich ganz sonderlich. In der Öffentlichkeit gab es ab sofort kein Hand in Hand-Gehen mehr und nicht mal ein Küsschen auf die Wange. Der Austausch von Zärtlichkeiten ist in Indien ausschließlich privat und gehört ins Schlafzimmer.

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Von Irène in Indien

Seit über 12 Jahren lebe ich nun bereits mit meiner Familie in Chennai, meiner neuen Heimat.

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