Der große Ärger als Auslandschweizerin

Schweizerflagge

Am Montag habe ich wieder mal per Online-Banking meine Konten bei der Postfinance gecheckt. Da ist mir plötzlich aufgefallen, dass da pro Monat neu 5 Franken abgezogen werden. „Was soll das jetzt?“, frage ich mich.

Die Schweizer Banken und Finanzinstitute sind am Geld von Auslandschweizer schon lange nicht mehr interessiert. Da werden so horrende monatliche Gebühren verrechnet, dass die meisten ihre Konten sofort aufgelöst haben. So ist es auch mir ergangen. Für das Jugendsparkonto unseres Sohnes bei der Raiffeisenbank hätte ich pro Monat 40 Franken Spesen bezahlen sollen. Die Postfinance war für die Auslandschweizer die beste Alternative. Ein Konto in der Schweiz wollte ich unbedingt behalten. Erstens ist es praktisch, wenn man auf Heimatbesuch ist und zweitens gibt es doch eine gewisse Sicherheit.

Anfangs verzichtete die Postfinance auf zusätzliche Gebühren, aber das ist nun schon länger vorbei. Da ich im Ausland lebe, bezahle ich monatlich 25 Franken Kontogebühren. Für die maximal 2-4 Briefe, die mir die Postfinance jährlich zuschickt, ein absolut überrissener Betrag. Da ich schon so hohe Spesen bezahle, ging ich zuerst von einem Fehler aus und rief gestern bei der Postfinance an, um Gewissheit zu bekommen. „Nein, das ist korrekt. Die 5 Franken sind für die Kontoführung!“ Neu also 30 Franken pro Monat – als ich aufs Jahr aufrechne, trifft mich fast der Schlag. 360 Franken! Nein, das bin ich echt nicht bereit zu bezahlen.

Da kann man meinen Ersparnissen ja beim Schrumpfen zusehen. Das Depositokonto mit eingeschränkten Bezugsmöglichkeiten ist spesenfrei und so werde ich darauf ausweichen und mein Konto auflösen.

Doch nicht nur die Schweizer Banken machen mich ärgerlich. Nein, auch die Schweizer Regierung! Ich bekam mein Abstimmungsmaterial oft zu spät, um es pünktlich zur Zählung zurückschicken zu können. Wie erfreut war ich, als ich plötzlich online wählen und meine Schweizerbürgerpflicht wieder richtig wahrnehmen konnte. Doch auch damit ist wieder Schluss und nur noch die briefliche Abstimmung zulässig.

Anfangs Juli hat Suriyan das neunte Schuljahr angefangen und langsam geht es darum, sich Gedanken um die berufliche Zukunft zu machen. Da es sehr wahrscheinlich ist, dass er nach der 12. Klasse in der Schweiz studieren wird, wollte ich bei der Berufsberatung nachfragen, ob sie auch Auslandschweizer beraten. Die Antwort per Mail kam prompt: „Ja, wir beraten auch Auslandschweizer im Alter von 15 bis 25 Jahren. Die Beratung ist kostenpflichtig.“ Ich weiß noch nicht, wie viel ich da bezahlen darf, aber ich kann mir die 100er Note pro Stunde schon bildlich vorstellen.

Das alles fühlt sich nicht gut an und Ärger macht sich in mir breit. Ich habe zwar den beliebten roten Schweizerpass, aber behandelt werde ich zunehmend wie eine Ausländerin.

PS: Meine Vorstellung von einem Hunderter pro Stunde für eine Berufsberatung wäre noch preisgünstig gewesen! Es sind 130 Franken!

Von Irène in Indien

Seit über 12 Jahren lebe ich nun bereits mit meiner Familie in Chennai, meiner neuen Heimat.

5 Kommentare

  1. Das mit den hohen Gebühren ist wirklich ärgerlich. Ist bei euch denn in den nächsten Jahren bei euch ein Besuch in der Schweiz geplant? Vor Ort ist die Beratung für Suriyan bestimmt kostenfrei, oder?

    Gefällt 1 Person

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