Von den Zuckeräpfeln der Göttin Sita

Mein Schwiegervater kommt lächelnd und mit Glanz in den Augen in die Küche zurück. Kumaran, der Fruchthändler, ist mit seinem Wagen vorbeigekommen und hatte heute Sugar Apples dabei. Die Früchte werden in Englisch auch Custard Apple oder in Tamil, nach der Göttin Sita, Sitapazham (die Frucht Sitas) genannt. Scheinbar sollen Sita und ihr Ehemann Lord Rama diese im 14-jährigen Exil im Wald gegessen haben.

Glücklich hält mein Schwiegervater vier Früchte in den Händen und erzählt von seiner Kindheit. Er ist in sehr bescheidenen Verhältnissen in einem kleinen Dorf aufgewachsen. In Erinnerungen schwelgend erzählt er: „Weißt du, in unserem Dorf lebte eine Witwe, die hatte hinter dem Haus ganz viele Seethapazham-Bäume. Wenn sie reif waren, kletterten wir Jungs immer auf die Bäume, um welche zu klauen. Manchmal sah sie uns, wurde zornig und verjagte uns. Dabei war sie eigentlich eine nette Frau, die uns sicherlich einige Früchte geschenkt hätte, wenn wir freundlich gefragt hätten. Für uns waren die gestohlenen Früchte, die wir dann gemeinsam im Versteckten gegessen hatten, eine richtige Leckerei.“

Ich stelle mir vor, wie unser Sohn und seine Freunde die Bäume hochklettern würden, um Sitapazham zu stibitzen. Suriyan würde mit Leichtigkeit die Bäume hochklettern, aber die Früchte danach mit Genuss essen? Nein, definitiv nicht!

Wie hat sich doch die Zeit verändert. Heute ist eine Frucht nichts Besonderes mehr.

Mein Schwiegervater drückt mir zwei Früchte in die Hände. Eine grüne und eine rosa Variante. „Die Rosafarbene ist noch nicht ganz reif, die kannst du erst Morgen essen!“, meint er fachkundig.

Ich habe die Sitapazham, seit ich hier in Indien bin, nur einmal probiert. Ich könnte nicht sagen, dass ich sie nicht mag, aber sie gehört definitiv nicht zu meinen Lieblingsfrüchten.

Mit Fingerspitzengefühl nahm ich Fruchttäschchen für Fruchttäschchen in den Mund, aß das süße Fruchtfleisch und spuckte die schwarzen Samen wieder aus. Übrigens eine durchaus gesunde Beschäftigung, denn der Zuckerapfel ist reich an wichtigen Vitaminen, Mineralstoffen und Antioxidants. Liest man im Internet über die gesundheitlichen Vorzüge des Zuckerapfels, dann entdeckt man eine weitere Wunderfrucht, die man durchaus mehr essen sollte.

Die Sitapazham passt gut auf den indischen Subkontinent, denn es braucht etwas Geduld sie zu verzehren 😉.

Von Irène in Indien

Seit über 12 Jahren lebe ich nun bereits mit meiner Familie in Chennai, meiner neuen Heimat.

7 Kommentare

    1. Ja, da hast du recht. Mit tropischen Früchten ist das immer so eine Sache. Ich erlebe es jetzt gegenteilig und hätte gerne wieder mal Himbeeren, Blaubeeren, Johannisbeeren, Zwetschgen, richtig gute saftige Äpfel, Birnen und natürlich Kirschen.

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  1. Liebe Irene, wir haben den Zuckerapfel auch hier im Norden am Fusse des Himalaya. Ich finde die Frucht köstlich und würde gern einen Baum bei uns im Garten anbauen. Weisst Du ob sich der Cherimoya leicht aus den Saamen ziehen lässt?

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