Hochzeitseinladung

Gestern wurden wir offiziell zur Hochzeit eingeladen. Dhanush, unser Angestellter heiratet Mitte März.

Mit seiner Mutter und mit Periamma und Periappa kam er zu uns nach Hause, um die Einladung persönlich zu überreichen. In Tamil und vielen andern indischen Sprachen gibt es viel genauere und differenzierte Bezeichnungen für die Verwandtschaftsgrade. Periappa bedeutet auf Tamil „grosser Vater“, er ist der ältere Bruder des Vaters. Periamma ist die Frau von Periappa.

Mit einer Metallplatte gefüllt mit verschiedenen Früchten, Blumen und Süßigkeiten überreichten sie uns förmlich die Einladung. Auch ein kleines Töpfchen mit dem roten Kumkum-Pulver darf nicht fehlen. Dies wird nur der verheirateten Hausherrin dargeboten, die mit der Fingerspitze etwas aus dem Töpfchen nimmt und sich einen Punkt auf die Stirn setzt. Es ist eine Segnung, die den Hausherrn immer einschließt und ihm ein langes und gesundes Leben bescheren soll.

Auf der Hochzeitseinladung ist immer ein Bild von Lord Ganesha. Er ist der Überwinder aller Hindernisse und wird daher bei jedem Neubeginn um Hilfe gebeten.

Für die Eltern von Braut und Bräutigam ist die Ausrichtung einer Hochzeit purer Stress. Neben der Organisation des Festes müssen Verwandte und wichtige Bezugspersonen persönlich eingeladen werden. Näheren Verwandten sollte man auch noch neue Kleider kaufen oder das Geld dafür übergeben. Dazu kommen immer Früchte und Süßigkeiten. Da man auf den ersten Blick erkennt, wie viel die Einladenden ungefähr ausgegeben haben, ist dies grade bei schwierigen familiären Situationen immer eine Gratwanderung. Fühlt sich ein Verwandter durch die Gaben nicht richtig wertgeschätzt, kann dies schon zu Spannungen führen. Solche Einladungen belasten den Geldbeutel zusätzlich und brauchen natürlich auch viel Zeit, muss man doch überall etwas trinken und kurze Zeit verweilen.

Normalerweise trägt die Seite der Braut die Kosten für die Hochzeit. In diesem Fall hat man jedoch beschlossen, sich die Kosten zu teilen, was ich nur richtig finde. Obwohl die Mitgift eigentlich offiziell verboten wurde, ist es immer noch Brauch. Oft wird eine Mitgift von mehreren Jahresgehältern erwartet und so werden leider oft teure Kredite aufgenommen. Doch auch auf der Seite des Bräutigams wird genau hingeschaut und die Vermögensverhältnisse abgeklärt. Mein Mann bekam auch einen Anruf von der Gegenseite, um genauere Auskünfte über D. zu erhalten.

Ich freue mich für Dhanush, dass schließlich alles nach seinen Wünschen geklappt hat und wünsche dem Brautpaar alles Gute.

 

Von Irène in Indien

Seit über 12 Jahren lebe ich nun bereits mit meiner Familie in Chennai, meiner neuen Heimat.

5 Kommentare

      1. In Südindien hockt man scheinbar ewig auf Kunststoffstühlen und wird mit viel zu lauter Musik zugedröhnt. Im Süden wird auch nicht getanzt, wie man es aus Bollywood Movies im Kopf hat.

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