Im indischen Lockdown- Tag 32

Das Coronavirus beherrscht unser Leben. Da in Tamil Nadu der Lockdown schon früher durchgesetzt wurde, sind wir fast seit 6 Wochen zu Hause.

Zwischendurch nehme ich bewusst Abstand von all den Corona-News, doch das Virus holt einem immer wieder ein. Unsere Papiermasken mussten wir endgültig entsorgen, so habe ich selbst einige Stoffmasken genäht. Masken sind nun Pflicht, wenn man nach draußen geht.

Gestern war ich zum dritten Mal im Supermarkt. Wir haben nun Temperaturen über 35 Grad und mit Maske und Sonnenbrille gerüstet, kommt es mir jeweils vor, als ob ich eine kleine Mini-Sauna oder ein Dampfbad vor dem Gesicht hätte. Die Läden haben von 6 Uhr bis 13 Uhr geöffnet. Nicht alles ist immer verfügbar. Während es das letzte Mal keine Eier gab, konnte ich gestern wieder einmal meine „Ökoeier“ kaufen. So habe ich mit vier Schachteln à 6 Eier zugeschlagen.

Auf dem Rückweg entdecke ich plötzlich „Hunde-Thaatha“ (Hunde-Großvater) auf dem Fahrrad. So nenne ich den alten Mann, der immer mit dem Fahrrad durch die Straßen fährt und die Straßenhunde füttert. Die Hunde lieben ihn, erkennen ihn schon von Weiten und freuen sich natürlich riesig, wenn sie einen Leckerbissen abbekommen. Wir verfolgen ihn mit unserem Auto, danken ihm für sein Engagement und geben ihm einen 500er. Ich mache ihn auch noch auf die abgemagerte Hündin mit den zwei Welpen aufmerksam, die ich neulich auf meiner Runde entdeckt habe. Er werde sich darum kümmern, verspricht er mir.

Um 14 Uhr, natürlich nach meinem Einkauf, kam die Nachricht, dass der Lockdown in Chennai und vier anderen Städten in Tamil Nadu verschärft wird. Ab Sonntag früh wird in Chennai für vier Tage dichtgemacht, auch die Lebensmittel-Läden. Nur Apotheken und Spitäler bleiben geöffnet. So kam es heute Morgen zu Hamsterkäufen. Prabhu wollte Milch und Gemüse kaufen und kam mit leeren Taschen zurück. Die Milch war seit 7 Uhr ausverkauft und in jedem kleinen Geschäft waren rund 50 Leute. „Social Distancing“ ging dabei natürlich vergessen. Was ein solcher strikter Lockdown nun bringen soll, ist mir rätselhaft.

Die Schule unseres Sohnes wird voraussichtlich aufs neue Schuljahr Mitte Juli wieder öffnen. Im Moment bietet die Schule bis zu den Sommerferien im Mai noch diverse Online-Kurse an.

So bleiben wir brav zu Hause, denn eine andere Möglichkeit steht nicht zur Wahl.

Stay home – stay safe!

Von Irène in Indien

Seit über 12 Jahren lebe ich nun bereits mit meiner Familie in Chennai, meiner neuen Heimat.

4 Kommentare

  1. Ein Lockdown in einem Land wie Indien kommt mir sehr, sehr zweifelhaft vor. Wie sollen denn Menschen damit umgehen, die unter normalen Umständen von Tag zu Tag gerade noch überleben ? Es ist ja schön, dass jemand Straßenhunde füttert, aber wer füttert die Menschen ?

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    1. Da hast du leider recht. Die Regierung und Hilfsorganisationen tun ihr Bestes, aber das reicht bei weitem nicht aus. Hunderttausende von Wanderarbeiter sitzen immer noch fest und dürfen nicht nach Hause zu ihren Familien. Je länger der Lockdown dauert, desto mehr leiden die Armen und Benachteiligen.

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