Im indischen Lockdown – Tag 39

Am Mittwoch ging unser strikter Lockdown in Chennai zu Ende. Da die Covid-19-Fälle zunehmend anstiegen und leider immer noch ansteigen, standen wir für 4 Tage unter einem totalen Lockdown. Um den großen Ansturm in den Lebensmittelgeschäften zu vermeiden, beschlossen wir erst gestern einkaufen zu gehen.

Ganz in der Nähe von uns wurde ein Corona-Fall gemeldet, so mussten wir einen Umweg nehmen, da die Straße gesperrt war. Prabhu bekam diese Nachricht per WhatsApp. Ein 70-jähriger Nordinder ist wahrscheinlich durch Community Spread angesteckt worden. Die Nachricht machte inklusive Adresse des Erkrankten umgehend die Runde. Von Datenschutz kann man in Indien nur träumen!

Im Supermarkt konnte ich mich erst in eine lange Reihe von Wartenden stellen.

Bei 37 Grad anstehen.

Bevor man den Laden überhaupt betreten darf, muss man neu seine Hände desinfizieren und natürlich eine Maske tragen. Verschwitzt und mit einer langen Einkaufsliste bewaffnet, betrat ich schließlich den Supermarkt. Halbleere und leere Regale gähnten mir entgegen. Kein einziges Brot, kein Dal, kein Mehl, kein Zucker, … Die lange Liste von meinem Schwiegervater wurde kaum kürzer. So etwas habe ich wirklich noch nie erlebt! Einige Dinge konnte ich noch ergattern und mein Mann holte mich wieder ab. In einem kleinen Laden am Straßenrand konnten wir noch ein paar fehlende Sachen kaufen.

Auf den Straßen tragen die meisten Masken oder binden sich wenigstens ein Taschentuch ums Gesicht. Trotzdem halten sich leider viele nicht an Social Distancing. Ich habe das Gefühl, dass die Leute echt genug haben von all diesen Corona-Maßnahmen. Viele werden nun zusätzlich von finanziellen Sorgen geplagt und dies nicht nur in der Unterschicht. Auch viele im Mittelstand mit einem regelmäßigen Einkommen kommen nach fast 2 Monaten nun an ihre Grenzen.

Auf dem Rückweg entdeckte ich dann ein Corona-Tuk-Tuk. Da musste ich doch wieder über die Kreativität und den Einfallsreichtum der Inder schmunzeln. Mit Lautsprecher bestückt, fährt das Virus-Gefährt durch die Straßen und klärt die Menschen auf.

Am Abend kam die Nachricht, dass der Lockdown um zwei Wochen verlängert wird. Ich hatte es nicht anders erwartet. Die Hotspots mit vielen Covid-19-Fällen bekommen kaum Erleichterungen. Das sind die roten Zonen. Lockerungen gibt es in den orangen und grünen Zonen, die nur wenige oder gar keine Fälle haben.

Wenigstens gibt es bei den Wanderarbeitern und all den Gestrandeten endlich eine Erleichterung. Viele Sonderzüge wurden bereitgestellt, um sie endlich nach Hause zu bringen. Trotzdem warten viele Tausende noch immer …

In Chennai werden nun alle Schulen zu Covid-19-Spitälern umgerüstet. Die Behörden erwarten scheinbar noch Schlimmeres. Hoffen wir, dass diese vielen Betten nicht gebraucht werden und die Fallzahlen endlich zurückgehen.

In den letzten 24 Stunden hatten wir mit 2293 Fällen den größten Anstieg bisher. Total haben wir heute Morgen 37‘336 Fälle und 1218 Tote.

Obwohl inzwischen jeder genug hat, geht es weiter mit dem sich ständig wiederholenden Mantra „Stay homeStay safe“!

Von Irène in Indien

Seit über 12 Jahren lebe ich nun bereits mit meiner Familie in Chennai, meiner neuen Heimat.

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