Im indischen Lockdown 4.0 – Tag 55

Mit der bisher höchsten Tagesanzahl von 5242 neuen Covid-19-Fällen hat bei uns heute der Lockdown 4.0 begonnen. Die indische Regierung hat die Maßnahmen gegen das Corona-Virus bis zum 31. Mai verlängert. In vielen Bundesstaaten und Distrikten kommt es zu Lockerungen. Die Bundesstaaten haben nun wieder mehr Entscheidungsgewalt und können Erleichterungen beschließen.

Bei uns in Chennai ändert sich leider kaum etwas. Wir haben immer noch steigende Fallzahlen. In 25 Distrikten in Tamil Nadu kommt es jedoch zu Lockerungen.

Hier die neusten Bestimmungen des Lockdowns 4.0

Keine Lockerungen in stark betroffenen Covid-19-Zonen. Die Bundesstaaten entscheiden über eventuelle Erleichterungen. Ausgangssperre von 19.00 bis 7.00 Uhr

Erlaubt:

  • Online Education
  • Heimlieferungen von Essen und Esswaren
  • Kantinen für Gestrandete und Bedürftige
  • Stadien dürfen geöffnet werden, jedoch ohne Zuschauer
  • Restaurants dürfen Heimlieferungen anbieten
  • Allein stehende Shops dürfen öffnen

Weiterhin geschlossen:

  • Schulen und Universitäten
  • Flugreisen und Metros
  • Religiöse Zentren
  • Fitness-Zentren, Malls, Kinos

Covid-19-Management:

  • „Social Distancing“ muss befolgt werden
  • Es ist obligatorisch eine Maske zu tragen.
  • Nur 5 Personen zur gleichen Zeit in einem Geschäft.
  • Nicht mehr als 50 Gäste an Hochzeiten

Die neusten Zahlen von heute:

Indien: 96‘492 Fälle, 36‘824 recovered, 3041 Tote

Am stärksten betroffen:

  • Maharashtra: 33‘053 Fälle, 1198 Tote
  • Gujarat: 11‘379 Fälle, 659 Tote
  • Tamil Nadu: 11‘224 Fälle, 78 Tote
  • Delhi: 10‘054 Fälle, 160 Tote

Immer noch sieht man tagtäglich erschreckende Bilder von Wanderarbeitern, die verzweifelt versuchen in ihre Dörfer zurückzukehren. Viele Verzweifelte sind zu Fuß, mit Fahrrädern und Fahrrad-Rikschas meist in der Nacht auf den Highways unterwegs. Einige haben auch ihre letzten Rupees zusammengelegt, um eng zusammengepfercht in Lastwagen mitzufahren. Wie sich rausstellte, zeigten die Truckfahrer jedoch kein Mitleid oder Verständnis für die Wanderarbeiter. Bis zu 2000 Rupees pro Person mussten sie bezahlen und Fahrer verdienten insgesamt 1 Lakh (100‘000 Rupees) – eine richtige Abzockerei!

In dieser Woche sind viele schreckliche Verkehrsunglücke passiert, bei denen viele Wanderarbeiter ums Leben kamen.

Über die Handhabung der Wanderarbeiter ist nun eine politische Auseinandersetzung entbrannt. Die Opposition, vor allem die Congress-Partei kritisiert die Zentrale Regierung massiv.

Die Bundesstaaten wurden nun angewiesen, dass sie mehr Busse und Züge zur Verfügung stellen müssen, um die Arbeiter endlich nach Hause zu lassen. Dies führte heute wieder zu Massenansammlungen an verschiedenen Zug- und Busbahnhöfen.

Sehr berührt hat mich die Geschichte eines Wanderarbeiters, der in seiner Not ein Fahrrad gestohlen hat, und dem Besitzer einen Brief hinterlassen hat.

Seit Tagen informiert die Finanzministerin Nirmala Sitharaman täglich live über die Verteilung der 20 Lakh Crore Rupees (250 Milliarden Euro), die die indische Regierung als Wirtschaftspaket geschnürt hat.

Die Aufteilung kommt jedoch eher einer neuen Budgetierung gleich, als einer Hilfe, die sofort zum Einsatz kommt. Viele bezeichnen das Ganze als Augenwischerei. Der Fokus soll vor allem auf lokalen Marken liegen und Indien möglichst unabhängig vom Ausland machen.

Maharashtra, vor allem Mumbai ist vom Corona-Virus am schlimmsten betroffen. Die Spitäler haben ihre Kapazitäten erreicht und alle Intensivbetten sind besetzt. Auch im Slum Dharavi steigen die Fälle weiter an. Gestern zählte man 1198 Fälle.

Wieder einmal zieht ein Zyklon nordwärts an uns vorbei. 2016 fegte Zyklon Fani über Chennai hinweg. Die Verwüstungen, die zurückblieben, werden mir immer in Erinnerung bleiben.

Der Zyklon Amphan bewegt sich nun auf die Ostküste von Odisha und Westbengalen zu.

Laut Meteorologen wird sich der Zyklon in den nächsten 12 Stunden zu einem Super-Zyklon aufbauen und am 20. Mai auf die Küste treffen. Ich hoffe nur, dass es die Menschen nicht zu sehr trifft.

Gestern mussten wir mit unserem Sohn zum Arzt. Eigentlich wollten wir einen Dermatologen aufsuchen, aber wegen der Corona-Situation ist dieser nicht im Dienst. Nach Fiebermessen und Handdesinfizierung konnten wir das Spital betreten. In der Notfallaufnahme sah sich eine Assistenzärztin in voller Corona-Montur den Hautausschlag an, und es war ziemlich klar, dass sie in diesem Fall nicht kompetent war. Der Kinderarzt, der danach dazu geholt wurde, schien etwas fachkundiger und verschrieb eine Lotion und Tabletten.

Jetzt versuchen wir es mal so, ansonsten müssen wir uns auf die große Suche nach einem Hautarzt machen.

Weiter geht es … stay home – stay safe!

Von Irène in Indien

Seit über 12 Jahren lebe ich nun bereits mit meiner Familie in Chennai, meiner neuen Heimat.

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