Covid-19-Koller und Zitronenstreit

Seit meinem letzten Blogartikel war ich nicht mehr draußen. Langsam, aber sicher setzt mir das ewige zu Hause bleiben zu, und die täglichen Nachrichten deprimieren mich zunehmend.

Die Fallzahlen steigen weiterhin an und fast jeden Tag werden neue Spitzenwerte gemeldet. In Mumbai und Delhi sind die Spitalbetten knapp, und es werden Notfallpläne ausgearbeitet.

Indien steht in der weltweiten Pandemie mit 308‘993 Covid-19-Fällen nun an 4. Stelle. Heute Morgen habe ich wieder mal die Nachrichten geschaut. 11‘458 neue Fälle in ganz Indien und bisher 8884 Tote. In Tamil Nadu haben wir 42‘687 Fälle davon 30‘444 in Chennai. 1989 Fälle wurden in Tamil Nadu in den letzten 24 Stunden gemeldet.

Nachdem Indien und China lange diplomatische Verhandlungen über die Grenzzone in Ladakh geführt haben, wurde scheinbar ein friedlicher Konsens gefunden. Doch kaum ein Disput beigelegt, folgt bereits der nächste. Nepal erhebt Ansprüche auf indisches Territorium. Indien blockt diese kurz und bündig ab und meint nur, dies sei historisch nicht zu begründen.

Ich hingegen streite mich heute Morgen mit meinem Schwiegervater, ob die drei Limetten, die ich auspressen soll, noch gut sind. Ich bin ja nicht pingelig, aber diese bereits braunen Limetten sind wirklich verdorben. (Ein Beweisfoto zu schießen, habe ich mich dann jedoch nicht getraut.) Mein Schwiegervater schnaubt ärgerlich und meint, dass wir ja nur den Saft brauchen. Seiner Meinung nach bin ich sowieso eine Verschwenderin. Schließlich schneide ich die Limetten auf und lasse ihn daran riechen. Tatsächlich gibt er darauf klein bei und klaubt zwei gelbe, frische Limetten aus dem Kühlschrank und überreicht sie mir. 1:0 for Switzerland!

Die verdorbenen Limetten hingegen stellt er auf die Seite und schmeißt sie nicht in den Abfalleimer. „Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß“, denke ich für mich.

Ich presse den Saft aus. Nach indischer Weise drehe ich die Schale um, sodass ja kein Tropfen verloren geht und lege die Schalen zur Seite.

Wieder wird mein Schwiegervater ärgerlich und meint, ich müsste die Schalen noch in Wasser auspressen, dieses Wasser könne man auch noch brauchen …

Schweizerisches Verschwendertum gegen indische Sparsamkeit!

Ich würde mich selbst ja auch nicht als verschwenderisch bezeichnen und habe mich hier in vielen Dingen sehr angepasst, aber gegen meine Schwiegereltern komme ich definitiv nicht an. Da wird jeder Paisa zweimal umgedreht und jeder Milchbeutel zweimal mit Wasser ausgewaschen, um ja keinen Tropfen Milch zu verschwenden. Gottlob ist mein Göttergatte in diesen Dingen großzügiger, ansonsten hätte ich wohl schon lange das Weite gesucht.

Nun hoffe ich, dass meinem Mann das Zitronen-Ingwer-Rasam* auch schmeckt. Ich jedenfalls werde es nicht kosten – ich mag kein Rasam.

*Rasam ist eine scharfe Pfeffersauce, die hier in Tamil Nadu zum Mittagessen stets dazugehört.

Von Irène in Indien

Seit über 12 Jahren lebe ich nun bereits mit meiner Familie in Chennai, meiner neuen Heimat.

3 Kommentare

  1. Die Nerven liegen bei manchem so allmählich blank, liebe Irene, unter diesen momentanen durch Covid 19 hervorgerufenen drastischen Einschränkungen und
    täglichen Nachrichten über weitere Infektionen. Hier in Ägypten ist es auch mittler-
    weile zum heftigen Anstieg von Erkrankungen durch Covid 19 gekommen und das
    Alltagsleben erheblich eingeschränkt. Da müssen wir uns in Geduld üben, in jeder Hinsicht.
    LG Brigitte

    Gefällt 1 Person

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