Sieg im Cricket – happy Indians

Mein Liebster schwebt immer noch auf Wolke 7. Ich gebe zu, dass auch ich die letzte Stunde mitgefiebert und dem indischen Cricket-Team die Daumen gedrückt habe. Plötzlich fand ich Cricket nicht mehr langweilig. Allerdings nur die letzte Stunde von dem Testmatch, der insgesamt 5 Tage dauerte. Es war ein knapper, aber fulminanter Sieg, der jeden Inder und jede Inderin mit Stolz erfüllte.

Nach dem Erzfeind Pakistan ist im Cricket Australien Feind Nummer 2.

Mein Mann kann seine Lobeshymne nicht zurückhalten. Was er erzählt, erwärmt auch mein Herz. Während ich seinen Erzählungen lausche, rollt mir sogar ich die eine oder andere Träne übers Gesicht.

Dieser Sieg ist wirklich ein ganz besonderer, denn es war ein „David-gegen-Goliath-Testmatch“. Das indische Nationalteam war stark eingeschränkt. Der Captain Virat Kohli weilte immer noch im Vaterschaftsurlaub und viele wichtige Senior-Players waren verletzt und konnten nicht spielen. So blieb Indien nichts anders übrig, als junge, unbekannte Spieler ins Feld zu schicken und diese machten gegen die australischen Profis eine ausgezeichnete Figur. Über 5 Tage hielten sich die Mannschaften ungefähr im Gleichstand. Die Entscheidung zum Sieg fiel tatsächlich erst in der letzten Spielstunde. Furchtlos, selbstbewusst und voller Elan zeigten sich die indischen Jungspieler.

Was mich an Prabhus Erzählungen so berührte, ist die Tatsache, dass viele der jungen Männer in sehr bescheidenen oder sogar armen Verhältnissen aufgewachsen sind. Die Familien nahmen so vieles in Kauf, um das Talent ihrer Söhne zu fördern.

Washington Sundar ist einer der jungen Helden. Sein ungewöhnlicher christlich-hinduistischer Name kam durch die berührende Biografie seines Vaters zustande. Sein Vater Sundar war auch ein sehr guter Cricketspieler. Aus armen Verhältnissen stammend, hatte er jedoch kaum Chancen. Doch da trat der pensionierte Mr. Washington, der in der indischen Armee gedient hatte, in sein Leben. Washington sah Sundars Talent, nahm ihn unter seine Fittiche und förderte und unterstützte ihn. So bezahlte er die Schuluniformen, das Schulgeld und natürlich das ganze Cricket-Equipment. Auf seinem Fahrrad fuhr er den Jungen jeweils zu den Spielen. Später heiratete Sundar und erwartete bald sein erstes Kind. Die Geburt war schwer und Sundar betete inbrünstig zu seinen hinduistischen Göttern für einen glücklichen Geburtsverlauf. Als der Junge geboren war, bekam er sofort den christlichen Namen Washington. Sundar erwähnte in einem Interview, dass er auch einen zweiten Sohn Washington Junior genannt hätte, wenn er nochmals einen Sohn bekommen hätte. So wichtig und bedeutungsvoll war in seinem Leben der ehemalige Gönner und Freund Mr. Washington.

Und jetzt spielt Washington Sundar in der indischen Nationalmannschaft! Ist diese Geschichte nicht magisch?

Ein anderer junger Mann, der sich im Testmatch gegen die Australier gut geschlagen hat, ist Natarajan. Aufgewachsen ist er in armen Verhältnissen in einem kleinen Dorf nahe der Kleinstadt Salem (Tamil Nadu).

Sein Vater arbeitete in einer Weberei und seine Mutter hat einen kleinen Streetfood-Stand am Straßenrand. Auch er hatte einen Gönner. Jayaprakash ermöglichte Nataraja vieles. Auf seinem Mannschafts-Jersey steht ihm zu Ehren nicht T. Natarajan, sondern JP Nattu.

Natarajan ist nicht Mitglied der indischen Nationalmannschaft. Er durfte nur wegen oder in diesem Fall dank Corona mit nach Australien. Normalerweise stellt das Gastland zum Üben Net-Bowler (Übungswerfer) zur Verfügung. In den Corana-Zeiten bringt nun jedes Land seine eigenen Net-Bowler zum Spiel. Durch die vielen verletzten Senior-Spieler rutschte Natarajan kurzzeitig als Bowler ins National-Team.

Natarajan kehrt nach Hause zurück!

Shubman Gill ist als Sohn eines Farmers im Punjab aufgewachsen. Sein Vater wäre sehr gerne ein Cricketspieler geworden, aber hatte dazu nie die Möglichkeit. Als er sah, wie sein Sohn mit den Farm-Angestellten Cricket spielte und wie er den Ball schlug, erkannte er sofort, dass sein Sohn Talent hatte. Um ihn besser fördern zu können, ist die ganze Familie in die Hauptstadt des Punjabs nach Chandigarh umgezogen.

Es würden sich noch viele dieser wunderbaren „Tellerwäscher-Karrieren“ erzählen lassen, aber ich lasse es hiermit mal gut sein.

Zum Schluss gratuliere auch ich als bekennende „Nicht-Cricket-Interessierte“ dem indischen Team herzlich zu diesem wohlverdienten Sieg. Well done boys!

Von Irène in Indien

Seit über 12 Jahren lebe ich nun bereits mit meiner Familie in Chennai, meiner neuen Heimat.

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