Plaudereien aus meinem Lockdown-Alltag in Chennai

Die Covid-19-Fallzahlen fallen langsam, aber stetig auch in Tamil Nadu. In den letzten 24 Stunden wurden 14‘016 neue Fälle gemeldet. Vor wenigen Wochen hatten wir allein in Chennai über 7000 Fälle täglich. Die Situation verbessert sich langsam, obwohl nicht genügend Impfstoff bereitsteht, um alle Impfwilligen zu impfen. Seit 2 Wochen ist unsere halbe Quartierstraße jedoch mit Covid-19-Warnschildern ausgestattet. In der direkten Nachbarschaft hatten wir grad mehrere Fälle. Unsere Nachbarn zur Rechten, beide über 80, mussten mit der Ambulanz ins Spital eingeliefert werden. Wie wir durch die Tochter erfahren haben, war es nicht einfach, ein Intensivbett zu finden. Glücklicherweise sind nun beide wieder zu Hause.

Warnschild in unserer Straße. Es ist verboten, Häuser mit Covid-Kranken zu betreten und zu verlassen. Bei Übertretungen soll man die Polizei informieren.

Wir sind immer noch im Lockdown, aber mit einigen Lockerungen. So sind die Lebensmittelgeschäfte wieder geöffnet. Heute durften auch die Coiffeure Kunden empfangen, und mein Liebster nutzte die Chance auf einen nötigen Haarschnitt.

Ich putze unsere Wohnung immer noch selber. Sundari, meine Angestellte, kommt jeweils am Morgen, um die Außenräume und die Terrasse zu putzen. Da Suriyan und ich noch nicht geimpft sind, möchte ich kein Risiko eingehen.

Ich bin sehr happy, dass wir letzte Woche endlich die Klimaanlage in meinem Zimmer mit der im Büro tauschen konnten. Meine funktionierte länger nicht mehr richtig. Meine Schlafqualität hat sich seither massiv gesteigert. I love my AC!

Weiterhin bestelle ich alles für den täglichen Gebrauch per WhatsApp bei unserem Supermarkt. Da das Hauptgeschäft nun mehrheitlich online abläuft, stellen sich auch immer mehr Fehler ein. Manchmal stimmt die Anzahl nicht, manchmal geht etwas vergessen und oft sind Artikel „Sold out“. Präventiv habe ich meine Bestellungen professionalisiert und schicke nun immer auch Fotos dazu. Seither klappt es einiges besser. Heute bin ich etwas verwirrt, als mir der Lieferant 40 zusammengeheftete Kassenzettel in die Hand drückt. „Warum so viele Kassenzettel?“, frage ich ihn erstaunt. „We have a target. 500 Online-Orders daily!“ Da die Haupteinnahmen nun vor allem online generiert werden, gab es neue Vorgaben. „Unsere“ Filiale muss mindestens 500 Online-Bestellungen ausliefern. Wie erfinderisch und indisch-kreativ das Personal darauf reagiert, sieht man an meinen 40 Kassenbons. Diese sind mit 40 verschiedenen Bestellungen gleichzusetzen. Es würde mich interessieren, ob diese Lüge aufgeht, denn bei einer Kontrolle würden sie innerhalb 2 Sekunden auffliegen. Wer bestellt schon ein Päckchen Paneer, ein Päckchen Zigaretten oder einen Liter Milch?

40 Kassenbons für einen Einkauf – Das gibt es nur in incredible India!

Gestern Abend windete es ziemlich. Als ich mit meinen Hundemädels die Runde machte, sah ich, dass ein Baum umgefallen war. Ein Stromleitungsmast wurde mitgerissen und lag über etlichen Stromkabeln. Mir ahnte Böses. „Du musst mit einem langen Stromausfall rechnen“, warnte ich unseren Sohn. So sassen wir alle am Esstisch und spielten unser Lockdown-Spiel „Siedler von Catan“. Bald wetteten wir, wann der Strom wieder käme. Wie staunten wir alle, als der Strom bereits um 20.30 funktionierte. Heute Morgen gab es nochmals einige Stunden Stromausfall, weil der Baum weggeräumt wurde. Wie hat sich dies doch alles in den letzten Jahren verbessert!

Ich freue mich täglich über meinen Dachgarten und meine Blumen. Ich habe nochmals Tomaten, Ladiesfinger, Bittergurke, Bohnen und Auberginen ausgesät. Hoffentlich merken die Affen nichts davon! Denn diese schlauen Kerle haben mir meine ersten Versuche immer wieder auf- und angefressen.

Zum Schluss noch etwas positive Vibes aus meinem Dachgarten:

Hibiskus
Bougainvillea
Frangipani
Blumenmandala

Liebe Grüße

Irène

Von Irène in Indien

Seit über 12 Jahren lebe ich nun bereits mit meiner Familie in Chennai, meiner neuen Heimat.

9 Kommentare

  1. Liebe Irene.
    Hier waren tagelang die Medien voll. Wie das so ist. Die Nachrichten werden weniger. Das aber der Kampf noch lange nicht zu Ende ist, sollte jedem hier klar sein. Ich denke an Euch und hoffe, das es bald besser wird. Mehr kann man aus der Entfernung nicht sagen. Haltet durch.
    LG Jürgen

    Gefällt 1 Person

    1. Lieber Jürgen
      Vielen Dank für deine Zeilen. Die sinkenden Fallzahlen stimmen mich wieder zuversichtlicher, aber ja, du hast sicherlich recht. Vorbei ist es definitiv noch nicht. Mein Mann hat im Bekannten- und Freundeskreis einige verloren, die an Covid-19 gestorben sind, daher sind wir sehr vorsichtig. Danke für die guten Wünsche und liebe Grüße 🌺
      Irène

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  2. Ach, Irène, bei allen Unannehmlichkeiten bis Schrecklichkeiten bekomme ich doch immer wieder bei deinen Beiträgen Sehnsucht nach Indien …
    Grüße an dich und mein Seelenland
    Ma Prem Chandana

    Gefällt 1 Person

  3. Wie immer nett zu lesen.
    Ich hoffe für euer Land und irgendwie für mich auch, dass dieser Albtraum „Corona“ wirklich bald beendet ist. Meine Einschätzung der Lage ist folgende: wenn die Herdenimmunität, die ja mittlerweile vielfach weltweit eingetreten ist, noch weiter zunimmt, dann können wir unabhängig davon , ob durch überstandene Krankheit oder Impfung (deren Wirksamkeit im Vergleich zur erworbenen Immunität ich für wesentlich ineffektiver halte) langsam aber sicher auf- und wieder tief durchatmen.
    Liebe Grüsse aus Ägypten

    Gefällt 1 Person

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