Morgenanfang in meinem indischen Alltag

Heute zieht es mich schon früh aus den Federn. Bereits um 5 Uhr bin ich wach geworden. Normalerweise verschlafe ich den Muezzin, der um 5 Uhr seine Gebete über Lautsprecher murmelt, aber heute höre ich ihn wieder einmal. Unsere Hundemädels sind überrascht, dass ich so früh auftauche. Simba hat es sich wieder einmal verbotenerweise auf unserem Sofa bequem gemacht und schaut mich etwas verlegen, beschämt an. Oder bilde ich mir dies nur ein? Ich mag am Anfang des Tages nicht groß schimpfen, hole sie aber bestimmt vom Sofa runter.

In der Küche drehe ich das Gas auf und koche Wasser. Das Zubereiten der Coffee-Decoction ist immer meine erste Handlung des Tages. Mein Liebster trinkt morgens einen South Indian Filter Coffee, ohne geht gar nichts. Ich mag den süßen, starken Milchkaffee gerne, aber seit ein paar Monaten verzichte ich bewusst darauf. Der metallene Kaffeefilter ist zweigeteilt. Im Oberen sind kleine Löcher ins Metall gebohrt und dort wird das frische Kaffeepulver eingefüllt und mit heissem Wasser übergossen. Langsam fließt nun die munter machende Decoction in den unteren Teil.

Zeit, um meinen Hibiskus im Dachgarten mit dem Kaffeesatz von gestern zu beglücken. Jeden Tag bekommt eine andere Pflanze den wertvollen Dünger und sie scheinen es tatsächlich zu mögen. Seit ich meinen Kaffeesatz eifrig im Garten verteile, habe ich kaum mehr Schädlinge. Vor allem beim Hibiskus fällt mir dies auf und wie zum Dank strahlt mich heute eine orangefarbene Blüte an.

Ich pflücke die wunderbar duftenden Frangipani- und Jasminblüten und lege sie in die Schale.

Im hinteren Teil des Gartens steht mein Lieblingsgott Ganesha und auch er wird mit frischen Blumen beglückt.

Frühmorgens durch meinem Dachgarten zu schlendern, ist wunderschön. Die Vogelwelt ist bereits wach und die ersten Streifenhörnchen pfeifen um die Wette. Die Bohnen, die Ladiesfinger und Auberginen, die ich gesät habe, wachsen langsam. Nur die Tomaten, die ich vor ein paar Tagen pikiert und eingepflanzt habe, sehen traurig aus. Ob es einige schaffen, uns mit Tomaten zu beglücken?

Mit einer Schale voller Blumen geht es zurück in die Wohnung. Nun wird der Pooja-Raum (Andachtsraum für die Götter), der in jedem hinduistischen Haus anzutreffen ist, mit frischen Blüten geschmückt. Ich entzünde eine Kerze und zwei Räucherstäbchen und bitte die Götter um ihren Segen. Eigentlich bin ich nicht sehr religiös, aber so ein Raum, d. h. bei uns ist es eigentlich ein Schrank will gepflegt sein. Auch meine Schale auf dem Esstisch bekommt frische Blumen.

Während ich eine Tasse heisses Wasser schlürfe und an diesem Text schreibe, kriecht mein Liebster aus dem Bett. Die Hundemädels erscheinen sofort zur Begrüßung und verlangen ihre Morgenmassage. Langsam wird es South Indian Coffee Time …

Von Irène in Indien

Seit über 12 Jahren lebe ich nun bereits mit meiner Familie in Chennai, meiner neuen Heimat.

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