Der tamilische Monat Aadi – Verehrung der Göttin Amman

Letzte Woche hat der tamilische Monat Aadi begonnen. Aadi ist der vierte Monat im tamilischen Kalender und findet in der Regel von Mitte Juli bis Mitte August statt. Viele Läden und Supermärkte locken nun mit speziellen Aktionen und Discountpreisen.

Es wird geglaubt, dass im Monat Aadi die Götter in der Dämmerung leben und ihr Tag zur Nacht wird, da der Sonnengott zwischen Juli und August die Richtung seines Wagens von Norden nach Süden ändert. Aus diesem Grund werden in diesem Monat keine wichtigen und glücksverheißenden Ereignisse wie Hochzeiten, Verlobungen, Babyzeremonien, Einweihungen und ähnliche Veranstaltungen gefeiert. In dieser Zeit schließt man in der Regel auch keine Geschäfte oder Verträge ab.

Der Monat Aadi ist aber sehr günstig, um sich mit dem Göttlichen, vor allem mit der göttlichen Sakthi, der weiblichen Kraft zu verbinden. In den Tempeln werden spezielle Gottesdienste und Rituale für die Göttinnen durchgeführt. Viele begeben sich in dieser Zeit auch auf Pilgerreise. Während Aadi sieht man viele gelbgekleidete Pilger, die die Göttin Amman (Durga) verehren.

Die Göttin Amman

Es gibt viele Inkarnationen der Göttin Durga. Sie ist die Shakti Shivas, eine andere Erscheinungsform von Parvati. Die wichtigste Aufgabe der Göttin ist es, das Böse zu bekämpfen und das Gute zu bewahren. Sie gilt als Mutter des Universums. Sie wird mit acht oder sogar zehn Armen dargestellt, trägt Waffen und reitet auf einem Löwen oder Tiger. In Tamil Nadu wird sie als Amman verehrt.

Die Sonntage, Dienstage und Freitage dieses Monats gelten als heilig. Viele Frauen fasten während dieser Zeit und verbinden sich mit Gebeten und Ritualen mit der Muttergöttin. Um Amman zu ehren und lobpreisen, finden vielerorts auch Feuerläufe statt.

Die Bauern sind sehr abhängig vom Wetter. Aadi ist der Monat des Windes, und man glaubt, dass die Verehrung der Göttin Amman den langersehnten Regen bringt. Der Südwest-Monsun, der vor allem an der Westküste für Niederschläge sorgt, füllt in dieser Zeit auch die Flüsse und Seen in Tamil Nadu.

Um ganz in die Verehrung der Muttergöttin Amman einzutauchen und Ablenkungen zu vermeiden, wurden früher und teilweise noch heute frisch verheiratete Paare getrennt. In vielen traditionellen Haushalten und auf dem Land ist es Brauch, dass die frischvermählte Ehefrau in dieser Zeit zu ihrer Familie zurückgeschickt wird.

Ein weiterer Grund für die Trennung ist auch die Vermeidung einer Schwangerschaft. Ein im Monat Aadi gezeugtes Kind würde in der heißesten Zeit geboren, was für die Mutter und das Baby ungeeignet wäre.

Am ersten Tag, an Aadi Pirappu, werden Neuvermählte zusammen mit der Familie des frischvermählten Ehemannes in das Haus der Frau eingeladen, wo eine besondere Pooja (religiöses Ritual, Gottesverehrung) durchgeführt wird. Beim Festessen dürfen Vadai (frittierte Linsenküchlein) und Payasam (süße Nudeln aus Grieß) nicht fehlen. Der „Pudhu Mappilai“, der neue Schwiegersohn, erhält Kleidung und Geschenke. Nach den Festlichkeiten kehrt der Mann mit seiner Familie wieder nach Hause zurück, während die Frischvermählte für einen Monat im Hause ihrer Eltern bleibt.

In unserer Familie merkt man nicht viel von all diesen Bräuchen und Ritualen. Am 2. August an Aadi Krithigai, ein Fest für Lord Murugan wird sicherlich etwas Besonderes auf dem Speiseplan stehen. Auch am Neumondtag wird alles frisch gekocht, d.h. es werden keine Reste gegessen.

Wenn man nach draußen geht, ist die Göttin Amman jedoch sehr präsent. Vor allem, wenn es dunkel wird, sieht man überall riesige Bilder von ihr. Mit Hunderten von farbigen Lämpchen erhellt die Göttin die Nacht.

Dieses Jahr ist das Wetter auch bei uns außergewöhnlich. Noch niemals haben wir so viel Regen vom Südwestmonsun abbekommen. An der Westküste Indiens, vor allem in Maharashtra hat der Monsun wieder zu schlimmen Überschwemmungen und Erdrutschen geführt.

Die Coronasituation hat sich bei uns ziemlich entspannt. In Tamil Nadu haben wir nun wieder viele Lockerungen. Heute hatten wir in Tamil Nadu 1830 neue Fälle. In ganz Indien wurden 39‘097 Fälle gemeldet. Ist man draußen, hat man schon fast wieder das Gefühl von Normalität. Doch der Schein trügt, denn die Experten warnen dringend vor einer dritten Welle und in einigen Teilen steigen die Fallzahlen bereits leicht an. In unserem Nachbarstaat Kerala beispielsweise hat es schon stark steigende Zahlen. Dort wurden heute 17‘518 Fälle gemeldet, mit einer Zunahme von 4700 Fällen gegenüber dem Vortag. Vorbei ist diese Pandemie leider auch hier nicht.

Vor einigen Wochen hieß es, dass im Oktober/November eine dritte Welle erwartet wird, doch nun wird diese bereits für den August vorausgesagt. Suriyan hat diese Woche ins 11. Schuljahr gestartet. Der Unterricht ist immer noch online und wird es wohl auch länger bleiben.

Weiter geht es mit stay home – stay safe …

Die Rezepte für Payasam und Vadai findest du hier:

https://meinlebeninindiendotblog.wordpress.com/2020/10/17/semiya-payasam-suesse-milch-nudeln/

https://meinlebeninindiendotblog.com/2021/04/14/medhu-vadai-herzhafter-snack-aus-suedindien/

Von Irène in Indien

Seit über 12 Jahren lebe ich nun bereits mit meiner Familie in Chennai, meiner neuen Heimat.

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