Meine indische Gewürzküche

Je länger ich in Indien lebe, desto mehr wächst die Anzahl meiner Gewürze. Ich würde schätzen, dass sich meine Gewürze mindestens verdreifacht haben. Auch viele selbst gemachte und gekaufte Gewürzmischungen haben einen festen Platz in meinem Gewürzregal erobert.

Ein Begriff, der in der indischen Küche immer wieder zu Missverständnissen und Verwirrung führt, ist Curry. Das berühmte gelbe Currypulver kennen wohl alle und haben es zu Hause im Gewürzregal stehen. Bei meiner Mutter kam es immer zum Einsatz, wenn sie Riz Casimir kochte. Übrigens eine typische Schweizer Spezialität, die mit Indien kaum was zu tun hat.

Beim Currypulver handelt es sich um kein Gewürz im eigentlichen Sinne, sondern um eine Gewürzmischung, die einst die britischen Kolonialherren nach Europa brachten. Das Wort Curry stammt auch von den Briten. Ursprünglich ergab sich das Wort aus dem Tamilischen „Kari“, was so viel wie „Fleisch“ oder „Beilage zu Reis“ bedeutet. Spricht man also von Curry, dann meint man immer ein sauceartiges Gericht, das zu Reis oder indischen Broten gereicht wird.

In Indien kocht man meistens mit frischen oder frischgemahlenen Gewürzen und Kräutern. Je nach Region und Speisen werden unterschiedliche Gewürze gebraucht. Gewürzmischungen nennt man in Indien Masala. In einem authentischen indischen Rezept wird man daher nie den Begriff „Currypulver“ finden. Garam Masala ist wohl die bekannteste indische Gewürzmischung. Es gibt in Indien eine Fülle an verschiedenen Masala zu kaufen, aber in der Regel hat jede Familie ihre eigenen Masala-Mischungen, die oft auch nicht preisgegeben werden und ein Familiengeheimnis bleiben.

Wer anfängt vermehrt indisch zu kochen, dem empfehle ich nicht alle Gewürze auf einmal zu kaufen, sondern sich Rezept für Rezept daran heranzutasten und die Gewürze vorerst in kleineren Mengen zu kaufen. Beim Kauf würde ich darauf achten, dass die Gewürze möglichst biologisch angebaut wurden. Indische Gewürze sind oft stark mit Pestiziden und Herbiziden belastet. Sogar hier in Indien versuche ich vorwiegend biologische Gewürze zu kaufen. Meistens werden diese auch fairer produziert.

Hier stelle ich euch die Gewürze, die ich am meisten brauche, kurz vor:

Ingwer:

In der indischen Küche ist Ingwer ein fester Bestandteil. An praktisch jedes Gericht kommt Ingwer oft zusammen mit Knoblauch. Indische Hausfrauen haben im Kühlschrank meistens eine Ingwer-Knoblauch-Paste stehen, die sie täglich zum Kochen verwenden. Die Ingwer-Pflanze ist eng mit Kurkuma und Kardamom verwandt. Die Ingwerknolle kann frisch, getrocknet, pulverisiert oder auch als Saft oder Öl verwendet werden. Ingwer hat eine sehr lange Geschichte als Heilmittel. Es wird verwendet, um die Verdauung zu unterstützen, Übelkeit zu reduzieren und ist ein wichtiges Hausmittel bei allen Erkältungskrankheiten. Auch werden ihm entzündungshemmende und antioxidative Eigenschaften zugesprochen. Auch bei uns ist Ingwer täglich im Gebrauch. Wir brauchen ausschließlich frischen Ingwer. Am besten kann man Ingwer übrigens schälen, indem man ihn mit dem Messer oder einem Löffel schabt. So kommt nur die äußerste Schicht ab.

Chili:

In der indischen Küche gehören Chilis in jeder erdenklichen Form dazu. Das rote Chilipulver gibt den Gerichten Geschmack, Schärfe und eine schöne rote Farbe. Rote Chilis gehören praktisch in jede Gewürzmischung (Masala). Es gibt bei den Chilisorten große Unterschiede in der Schärfe. Sehr bekannt ist der Kaschmiri Chili. Wir konsumieren enorm viel Chili. Ohne die scharfen Schoten schmeckt das Essen meiner indische Familie nicht. Die grünen Chili-Schoten, aber auch die getrockneten roten landen täglich in unseren Gerichten. Geht man in Indien italienisch oder „westlich“ essen, dann stehen Chili Flakes immer griffbereit auf dem Tisch. Wer authentische indische Rezepte nachkocht, sollte mit dem Gewürz etwas vorsichtig sein und eventuell die Menge reduzieren. Es empfiehlt sich, dass man sich langsam herantastet und immer wieder abschmeckt, ob man die Schärfe noch verträgt.

Knoblauch:

„Du bist Inder, wenn dein Essen nach Knoblauch, Zwiebeln und Tomaten schmeckt!“, schrieb ein indischer Journalist mal in einem humorvollen, witzigen Artikel in dem es über „das Indischsein“ ging. Wie immer ist daran ein wahrer Kern, denn in vielen indischen Gerichten darf Knoblauch tatsächlich nicht fehlen. Die berühmte Ginger-Garlic-Paste findet sich wohl fast in jedem indischen Haushalt. „Neben Ingwer und grünen Chilis ist Knoblauch die dritte Hauptzutat der indischen Hausmannskost“, erklärt Meera Sodha, die indische Kochbuchautorin. Bei der Verwendung von Knoblauch geht es jedoch nicht nur um Geschmack. Die gesunde Knolle ist vollgepackt mit Allicin – diese Verbindung sorgt für antimykotische und antibakterielle Eigenschaften. Knoblauch senkt den Cholesterinspiegel, beugt Erkältungen vor und wirkt blutreinigend. Auch bei uns ist die weiße Knolle im Dauereinsatz.

Kurkuma, Gelbwurz:

Tamil Nadu, der indische Bundesstaat, in dem ich lebe, ist einer der größten Produzenten von Kurkuma. Wir verwenden das gelbe Gewürz täglich und für praktisch alle Gerichte. Bereits seit Tausenden von Jahren wird Kurkuma als Gewürz, Heilmittel und Farbstoff genutzt. Der Inhaltsstoff Curcumin sorgt nicht nur für die gelbe Farbe, sondern hat auch stark entzündungshemmende, antibakterielle Effekte und ist ein starkes Antioxidans. In der indischen Heilkunst Ayurveda werden dem Gewürz reinigende und energiespendende Eigenschaften zugesprochen. Auch soll es die Magensaft- und Gallensaftproduktion positiv beeinflussen und allgemein das Immunsystem stärken. Inzwischen ist das gelbe Wundermittel auch im Westen bekannt geworden und viele trinken „Golden Milk“. Mehr über Kurkuma erfährst du hier:

https://meinlebeninindiendotblog.wordpress.com/2018/06/28/die-gelbe-wurzel/

Kreuzkümmel:

Kreuzkümmel, auch Kumin genannt, ist ein typisches und häufig gebrauchtes Gewürz in Indien. In der südindischen Küche brauche ich es täglich. Die kleinen, länglichen Samen sehen dem Kümmel sehr ähnlich. Nicht nur das Aussehen, sondern auch die Verwendung ist identisch. Kreuzkümmel hilft gegen Blähungen, bei Verdauungsbeschwerden und die Gerichte sind leichter verdaulich. Damit sich die Duft- und Wirkstoffe am besten entfalten, wird Kreuzkümmel meist in Öl kurz frittiert. Diesen Prozess nennt man Tempering. Das Tempering besteht meistens aus mehreren Gewürzen und wird zu Beginn oder erst am Schluss dem Gericht zugegeben. In der indischen Küche ist Kreuzkümmel Bestandteil vieler Masala. In unserer Küche wird Kreuzkümmel praktisch für alle Gerichte (Sambar, Kuzhambu, Rasam, Chutneys, …) gebraucht.

Senfsamen oder Senfkörner:

Es gibt unterschiedliche Sorten von Senfpflanzen. Aus den leuchtend gelben Blüten entwickeln sich die Fruchtkapseln mit ihren Samen. Die Samen vom weißen Senf sind bedeutend größer und sie werden oft gebraucht um Speisen in Essig einzulegen, haltbar zu machen. Kennen tun wir sie wohl alle von den Essiggurken. Der Serapta-Senf mit den kleinen schwarzen Samen wird vorwiegend in Asien und Afrika angebaut. Die schwarzbraunen bis schwarzen Samen sind viel kleiner und schärfer als der weiße Senf. In der indischen Küche, vor allem in der südindischen finden sie oft Anwendung. Bei uns werden Senfsamen täglich gebraucht und kommen fast in jedes Gericht. Damit sie ihre Wirkstoffe und Aromen entfalten können, sollte man sie in Öl oder Ghee kurz frittieren, bis sie aufspringen. Senfsamen enthalten viel Selenium und haben dadurch einen entzündungshemmenden Effekt und sind gut für die Verdauung.

Pfeffer:

Der Pfefferstrauch (Piper nigrum) ist eine Kletterpflanze, die zur Familie der Pfeffergewächse gehört. Die ursprüngliche Heimat des Pfeffers ist Indien, wo auch heute noch Pfeffer angebaut wird. Die Früchte, die Pfefferkörner, werden wegen des darin enthaltenen Alkaloids Piperin als scharf schmeckendes Gewürz verwendet. Je nach Reifegrad der Pfefferkörner ergeben sich unterschiedliche Farben, so kommt es zu grünem, schwarzem, weissem oder rotem Pfeffer. Der grüne Pfeffer wird aus unreifen, noch grünen Früchten gewonnen. Diese werden bei hohen Temperaturen getrocknet, sodass er noch die grüne Farbe behält. Beim schwarzen Pfeffer werden ebenfalls unreife, noch grüne Früchte geerntet. Durch das Trocknen werden diese runzlig und schwarz. Die vollreifen roten Früchte werden zur Herstellung von weissem und rotem Pfeffer verwendet. Beim weißen Pfeffer wird jedoch nur der Steinkern der Frucht verwendet. Wir verwenden in unserer Küche ausschließlich den schwarzen Pfeffer. Pfeffer hat eine appetitanregende, verdauungsfördernde Wirkung und ist hilfreich bei Erkältungskrankheiten. Auch Pfeffer ist bei uns im Dauereinsatz. Ein Mittagessen ohne die scharfe Pfeffer-Sauce Rasam wäre in meiner indischen Familie undenkbar.

Koriander:

Koriander ist ein Klassiker in der indischen Küche. In fast allen Gerichten ist Koriander zu finden. Die Samen sind Bestandteil von vielen Gewürzmischungen und fast jedes Gericht wird mit frischen Korianderblättern abgeschmeckt. Manche mögen den frischen Koriander und andere rümpfen die Nase. Auch ich musste mich tatsächlich an den Geschmack gewöhnen und inzwischen liebe ich ihn. Koriander ist reich an immunstärkenden Antioxidantien und wirkt entzündungshemmend.

Tamarinde:

Die Tamarinde, auch indische Dattel genannt, ist eine tropische Fruchtart, die vom Tamarinden-Baum stammt. Der Baum ist ursprünglich in Afrika beheimatet, aber er wächst auch in anderen tropischen Regionen. In Südindien gibt es sehr viele Tamarinden-Bäume. Der Baum produziert bohnenähnliche Schoten, die Samen und ein faseriges Fruchtfleisch enthalten. Wenn die Schoten reifen, wird das Fruchtfleisch süss-sauer. Tamarinde wird in der indischen, vor allem in der südindischen Küche sehr oft gebraucht. Bei uns kommt Tamarinde täglich zum Einsatz. Kaufen kann man Tamarinde als Paste oder zusammengepresst als Block. Tamarinde ist reich an Antioxidantien und kann das Immunsystem verbessern. Auch antimikrobielle und entzündungshemmende Eigenschaften werden den sauren Schoten zugesprochen. Wird Tamarinde in großen Mengen konsumiert, kann es abführend wirken.

Curryblätter:

Curryblätter gehören in der südindischen Küche immer und überall dazu. Die Blätter geben den Gerichten mit ihrem wundervollen und unverwechselbarem Aroma Geschmack. Im Ayurveda, der traditionellen indischen Naturmedizin, findet der Currybaum schon lange Anwendung. Die Blätter haben antibakterielle und entzündungshemmende Eigenschaften. Es lohnt sich, einige Blätter mitzuessen! Mehr Informationen dazu findet ihr hier:

https://meinlebeninindiendotblog.wordpress.com/2019/09/14/der-currybaum-gewuerz-und-heilmittel/

Asafötida:

Hing Powder, wie Asafötida in Hindi genannt wird, ist in Indien ein wichtiges Gewürz. Bei uns kommt es täglich zum Einsatz. Asafötida ist das harzige Sekret aus den Wurzeln der Asant-Pflanze. Dieses wird an der Sonne getrocknet und gemahlen. Der Geruch ist sehr intensiv und erinnert stark an Knoblauch. Asafötida wird als Geschmacksverstärker eingesetzt, ist aber auch hilfreich bei der Verdauung. Um dem intensiven Geschmack etwas abzumildern, wird das Gewürz oft kurz in etwas Öl oder Ghee frittiert.

Bockshornklee:

In indischen Gerichten kommen Bockshornkleesamen und auch – blätter (Kasuri Methi) sehr oft zum Einsatz. Die kleeähnliche Pflanze wird schon sehr lange als Heilmittel verwendet. Sehr erfolgreich werden Bockshornkleesamen bei Diabetes eingesetzt. Bockshornklee scheint die Aufnahme von Zucker im Magen zu verlangsamen und stimuliert die Insulinproduktion. Mein Schwiegervater nimmt jeden Morgen gekeimte Bockshornkleesamen zu sich, um seinen Blutzucker zu senken. In der indischen Küche kommen die Blätter mit ihrem leicht würzig-bitteren Geschmack oft zum Einsatz. Die Samen sind oft Bestandteile von Gewürzmischungen. Um das Bittere zu mildern, werden Bockshornkleesamen meistens kurz angeröstet. Kaufen kann man Bockshornklee als Kräuter (Kasuri Methi), als Samen oder bereits gemahlen als Pulver.

Zimt:

Einst als kostbares und teures Gewürz gehandelt, hat Zimt inzwischen weltweit die Küchen erobert. Wer kennt es nicht von Weihnachtsgebäck oder wunderbar duftenden Winterteemischungen? Das Gewürz stammt von der Rinde des Ceylon- oder des chinesischen Zimtbaumes. Der Ceylon-Zimt wird in dünneren Schichten geerntet, gerollt und zu Zimtstangen zusammengesetzt. Sein Aussehen erinnert an eine Zigarre. Der Ceylon-Zimt ist aromatischer und weniger scharf. Er wird bedeutend teurer gehandelt als der Cassia-Zimt. Der Cassia-Zimt ist dicker, gröber, dunkler und riecht intensiver. Die Qualität ist etwas geringer. Zimt enthält den Aromastoff Curamin. Dieser ist in zu großen Mengen für uns Menschen giftig. Daher sollte man Zimt nur in kleinen Dosen zu sich nehmen. Der Cassia-Zimt enthält mehr Curamin als der Ceylon-Zimt. Zimt hat viele gesundheitsfördernde Eigenschaften. Er wirkt regulierend und senkend auf den Blutzucker- und den Cholesterinspiegel. Zimt fördert den Appetit, regt die Darmtätigkeit an und beugt Blähungen und Völlegefühl vor. Auch eine entzündungshemmende, desinfizierende Wirkung wird ihm zugeschrieben. In der indischen Küche ist Zimt Bestandteil in verschiedenen Gewürzmischungen (Masala). Zimt findet sich in vielen Currys und auch in Reisgerichten.

Safran:

Das teuerste Gewürz der Welt stammt von einer bestimmten Krokusart (Crocus sativus). 90% stammt aus dem Iran, aber auch in Kaschmir (Nordindien) wird Safran angebaut. Die Blumen blühen nur zwei Tage im Jahr und die gesamte Ernte muss innerhalb von 14 Tagen von Hand geerntet werden. Dabei werden möglichst nur die drei orange-roten Stempelfäden gezupft. Je mehr hellgelbe Griffel zu den Fäden gelangen, desto geringer ist die Qualität. Für ein Kilo Safran braucht es ungefähr 200‘000 Krokus-Blüten. Safran gibt es in unterschiedlichen Qualitäten. Für 1 g Safran bezahlt man ungefähr 8-14 Euro. Bereits kleinste Mengen der Fäden geben viel Geschmack und eine wunderbare gelb-orange Farbe. Safran hat antioxidative Eigenschaften, steigert die Vitalität und das Immunsystem. In der indischen Küche findet man Safran in Reisgerichten (Biryani, Pulao), aber auch in Nachspeisen (Gulab Jamun, Kulfi, Payasam, …)

Gewürznelken:

Die Gewürznelke kommt im Westen vor allem in der Herbst- und Winterzeit zum Einsatz. Die aromatische, süßlich-würzige-holzige Note kennen wir von Glühwein und Lebkuchen. Die Gewürznelke ist aber auch ein altes Naturheilmittel gegen Zahnweh. Das Gewürz stammt vom Gewürznelkenbaum (Syzygium aromaticum). Dieser stammt ursprünglich von den indonesischen Gewürzinseln, den Molukken. Sansibar, Tansania und Indonesien sind die Hauptproduzenten des Gewürzes. In Indien wächst der Gewürznelkenbaum vorwiegend in den höher gelegenen Gebieten der Western Ghats von Tamil Nadu, Kerala und Karnataka. Die Nelken sind die ungeöffneten Blütenknospen, die sich beim Trocknen braun verfärben und wie kleine Nägel aussehen. Drückt man leicht darauf, sondern die Knospen Öl ab. Das Nelkenöl mit der Substanz Eugenol wirkt schmerzstillend, entzündungshemmend. Auch wirkt es örtlich leicht betäubend und hemmt das Wachstum von Pilzen und Bakterien. Bei Zahnschmerzen ein „Nägeli“ zu kauen, kann also durchaus Sinn machen. Gewürznelken wirken auch gegen Blähungen und Völlegefühl und wirken krampflösend. In der indischen Küche sind Nelken ein wichtiges Gewürz. Gewürznelken finden sich fast in jeder Gewürzmischung (Masala). Sie werden auch oft zusammen mit einer Zimtstange und Kardamom-Kapseln zu Currys hinzugefügt.

Fenchelsamen:

Die blassgrünen Fenchelsamen verleihen den Gerichten einen leicht süßlichen, lakritzeartigen Geschmack und Duft. Wer schon in Indien war, erinnert sich sicherlich an die Fenchelsamen, die mit Zucker am Ende einer Mahlzeit gereicht werden. Diese sorgen für einen frischen Atem, aber unterstützen vor allem beim Verdauen und wirken vorbeugend gegen Blähungen. Aber Fenchelsamen werden auch antibakterielle und entzündungshemmende Eigenschaften zugesprochen. Ich verwende Fenchelsamen immer für mein vegetarisches Biryani-Rezept.

Kardamom:

In der indischen Küche kommen Kardamomkapseln in verschiedenen Currys, Tees, Gewürzmischungen und Desserts zum Einsatz. Kardamom hat verdauungsfördernde, antibakterielle und entzündungshemmende Eigenschaften. Sehr gerne wird er auch bei Erkältungskrankheiten eingesetzt. Kaufen kann man das Gewürz als Kapsel oder bereits gemahlen als Pulver. Man unterscheidet zwischen grünem, schwarzem und weissem Kardamom. Der grüne Kardamom stammt aus Südindien und Sri Lanka, wird aber mittlerweile auch in Ländern wie Thailand, Nepal und Mittelamerika angebaut. Er wird von Hand geerntet, da die Schoten jeder Pflanze in ihrem eigenen Tempo reifen. Die Ernte ist sehr zeitintensiv und Kardamom ist nach Safran und Vanille das drittteuerste Gewürz. Der schwarze Kardamom wird in Nepal, Vietnam und China angebaut und gehört nicht zur gleichen Familie wie der grüne Kardamom. Schwarzer Kardamom wird häufig zur Behandlung von Verdauungsstörungen eingesetzt. In China, Vietnam und auch in Indien werden oft Fleischgerichte damit gewürzt. Beim weißen Kardamom kann man zwei Arten unterscheiden. Der weiße Kardamom, der durch das Bleichen der grünen Schoten entsteht, und dem Siam-Kardamom. Der Siam-Kardamom hat einen ähnlichen Geschmack wie der grüne. Der gebleichte Kardamom wird hauptsächlich in der indischen und in der indonesischen Küche verwendet. In unserem vegetarischen Haushalt brauche ich nur den grünen Kardamom.

Sternanis:

Europäische Gaumen kennen Sternanis vor allem als Weihnachtsgewürz in Glühwein, Weihnachtstee-Mischungen und Lebkuchen. In der indischen Küche ist der Gewürzstern sehr beliebt und wird auch für herzhafte Gerichte und Masala-Mischungen verwendet. Auch Sternanis ist gut bei Verdauungsproblemen. Es wirkt auch schleimlösend bei Husten und Atemwegserkrankungen.

Muskatnuss:

Muskatnuss hat einen scharfen Duft und einen warmen, süßlichen Geschmack. In der indischen Küche ist Muskatnuss oft Bestandteil von Gewürzmischungen. Es wird sowohl in herzhaften wie süßen Gerichten verwendet. Im südindischen Bundesstaat Kerala werden auch viele Fleisch- und Fischgerichte mit Muskatnuss gewürzt. Die englischen Begriffe Nutmeg (Muskatnuss) und Mace (rötliche Samenhülle der Muskatnuss oder Muskatblüte) für etwas Verwirrung. Beides schmeckt ähnlich, aber Mace ist etwas weniger aromatisch.

Minze (Pudina):

Minze hat einen frischen, aromatischen, süßen Geschmack mit einer kühlenden Wirkung. In der indischen Küche wird es gerne in Saucen, Joghurt und Chutneys verwendet, aber auch in Getränken. Oft werden Speisen damit am Schluss abgeschmeckt und dekoriert, um dem Gericht eine duftende Frische zu verleihen. Es ist aber auch Hausmittel bei Magenschmerzen und Verdauungsstörungen.

Lorbeer:

Die aromatischen Blätter des Lorbeers landen oft in indischen Gerichten. Am häufigsten in Reisgerichten wie Biryani. Lorbeer ist auch Bestandteil der Gewürzmischung Garam Masala. Wir verwenden hier den indischen Lorbeer (Cinnamomum tamala).

Königskümmel (Ajowan):

Der aromatische Königskümmel ist im Geschmack dem Kreuzkümmel und Fenchel ähnlich, aber etwas bitterer und schärfer. In der indischen Küche werden oft stärkehaltige Gemüse, Hülsenfrüchte, aber auch Fleischgerichte damit gewürzt. Damit sich die Aromen voll entfalten können, wird auch der Königskümmel wie der Kreuzkümmel zuerst in Öl oder Ghee (reines Butterfett) frittiert. Königskümmel hat antibakterielle, entzündungshemmende Eigenschaften und wirkt verdauungsfördernd.

Gewürzmischungen (Masala)

Masala gibt es in Hülle und Fülle. Es gibt bereits fertige Gewürzmischungen zum Kaufen, aber viele Hausfrauen mischen ihre Masala selbst. Bei uns kommen vor allem zwei Gewürzmischungen zum Einsatz. Dies ist Rasam- und Sambar-Masala. Für nordindische Gerichte verwende ich oft Garam Masala. Garam Masala kaufe ich bereits als Mischung, aber die anderen stellen wir immer selbst her.

Rasam-Masala

Rasam-Masala kann man bereits als fertige Gewürzmischung kaufen. Viele unterschiedliche Firmen bieten diese an. Meine indische Familie rümpft darüber jedoch die Nase. Unser Rasam-Masala besteht zu gleichen Teilen aus frittiertem Toor-Dal, schwarzen Pfefferkörnern, Koriandersamen und Kumin (Kreuzkümmel). Natürlich dürfen auch rote Chilis nicht fehlen. Diese werden im Mixer fein zu einem Pulver gemahlen und in einem Glasbehälter aufbewahrt.

Sambar Masala

Auch Sambar-Masala kann man von unterschiedlichen Herstellern kaufen. Wir stellen es selbst her und mischen die Gewürze folgendermassen: 200 g rote Chilis getrocknet, 100 g Toor-Dal, ein halbes Bündel Korianderblätter, 400 g Koriandersamen und eine Handvoll Pfefferkörner. Die Gewürze werden einzeln und ohne Öl in einer Pfanne geröstet. Nach dem Abkühlen werden sie zu einem feinen Pulver gemahlen.

Garam Masala

Garam Masala–Mischungen können voneinander abweichen, aber meistens sind folgende Gewürze vertreten:

Muskatnuss, Sternanis, schwarzer Pfeffer, Kardamom, Zimt, Koriandersamen, Lorbeerblätter, Kumin, getrocknete rote Chilis, Gewürznelken

Von Irène in Indien

Seit über 12 Jahren lebe ich nun bereits mit meiner Familie in Chennai, meiner neuen Heimat.

12 Kommentare

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