Das hinduistische Lichterfest Diwali

Heute feiern wir Diwali oder auch Deepavali. Das Fest hält mich schon einige Wochen auf Trab. Neue Süßigkeiten ausprobieren, Geschenke für meine Freundinnen vorbereiten, Diyas (Öllichter aus Ton) bemalen und verzieren …

Meine bemalten Diyas mit selbstgemachten Burfi.

Bereits seit einigen Tagen kracht es überall. Ohne Feuerwerk geht es bei den Indern leider nicht. Unsere Hunde sind in dieser Zeit immer durch den Wind. Vor allem Simba verträgt die Kracher nicht. Seit einigen Jahren ist der Gebrauch von Feuerwerk klar geregelt. Da die Luftwerte immer so schlimm waren, darf man hier in Tamil Nadu nur noch von 6-7 Uhr und 19-20 Feuerwerk abbrennen. Einige Bundesstaaten haben dieses Jahr Feuerwerk sogar gänzlich verboten. Wobei die Inder immer einen Weg finden oder irgendwie Kracher aus dem Nichts hervorzaubern. Jedes Jahr werden viele gebüßt, aber wirklich kontrollieren kann man das Ganze leider nicht.

Vor einer Woche habe ich mich so geärgert, wie schon seit Jahrzehnten nicht mehr. Hätte sich dieser dumme Junge nicht hinter seiner Großmutter versteckt, dann hätte ich ihm vielleicht sogar eine Ohrfeige gegeben. Nein, das hätte ich natürlich nicht, obwohl es sehr verlockend gewesen wäre. Definitiv hätte ich mich gefreut, wenn sein Vater oder seine Großmutter ihm eine geknallt hätten. Verdient hätte es dieses Arschlochkind allemal.

Ich machte mit unseren Hunden die Runde und sah das besagte Kind schon im Voraus. Er hatte diese weißen Dinger, die knallen, wenn man sie auf den Boden wirft. Vorausschauend wechselte ich auf die andere Straßenseite und führte die Hunde neben mir ganz am Rand. Kaum waren wir auf gleicher Höhe, trat der Junge plötzlich zwei Schritte vor und warf so ein Knallding voller Absicht vor meine Hunde. Tja, ich bin tatsächlich kurz ausgerastet. Oma und Papa, die dabeistanden und das Ganze auch miterlebt hatten, nahmen den Jungen jedoch nur in Schutz. „He’s only a child“, meinte Papa und in seinen Augen war definitiv ich die Böse. Für einen Drei- oder Vierjährigen hätte ich ja noch Verständnis aufgebracht, aber dieser Junge war sicherlich elf Jahre alt! Manchmal verstehe ich echt die Welt nicht mehr! Was für Erwachsene werden aus solchen Kids?

Diwali oder Deepavali, wie wir hier im Süden sagen, ist ein bedeutsamer Feiertag im hinduistischen Kalender. Man könnte es fast mit Weihnachten vergleichen, nur etwas weniger besinnlich mit all dieser Knallerei. Unter Freunden und Familie werden Geschenke ausgetauscht, das Haus wird festlich geschmückt, man trägt neue, oft etwas festliche Kleidung und es gibt viele Süßigkeiten und Snacks, die speziell für diesen Anlass zubereitet werden. Viele kleine Öllichter aus Ton (Dyias) werden angezündet. Das Wort Deepavali kommt aus dem Sanskrit und bedeutet „Reihe von Lichtern“.

Jede Region hat etwas andere mythologische Hintergründe und Geschichten, die die Bedeutung von Diwali erklären. Manche sehen darin die glückliche Heimkehr von Lord Rama und Sita nach dem 14-jährigen Exil und den Sieg über den Dämon Ravana, andere feiern den Tag im Gedenken an die Muttergöttin Durga, die den bösen Dämon Mahisha besiegt hat und hier im Süden wird Diwali gefeiert, weil Krishna das Böse in der Gestalt von Narakaasura vernichtet und sechzehntausend Frauen aus der Gefangenschaft befreit hat.

Auf der Diwali-Geschenkbox von Krishna Sweets ist die glückliche Heimkehr von Lord Rama dargestellt.

Eines haben die Geschichten alle gemeinsam: Es geht immer über den Sieg des Guten über das Böse.

Happy Deepavali!

Hier einige Impressionen:

Dieses Jahr habe ich auch Girlanden aus Mangoblättern gemacht.
Sweets 😋

Von Irène in Indien

Seit über 12 Jahren lebe ich nun bereits mit meiner Familie in Chennai, meiner neuen Heimat.

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