Ausnahmezustand

Ich staune wiedereinmal mehr über dieses Land und seine Menschen. Der 94-jährige Ex-Chiefminister Karunanidhi liegt im Sterben und sein Zustand ist äusserst kritisch. Schon seit fast 2 Wochen im liegt er im Spital und hunderte von seinen treuen Anhängern belagern seither die Umgebung des Spitals. Doch nach der Ankündigung seines kritischen Zustandes hat sich die Menschenmenge um ein Vielfaches verdoppelt. Tausende von Menschen warten, schreien, weinen und schluchzen vor dem Spital. Man könnte meinen, all die Menschen hätten durch einen tragischen, schrecklichen Unfall ihre Kinder verloren. Karunanidhi ist ein indischer Politiker der DMK-Partei (Dravida Munnetra Kazhagam).

Blumen auf dem letzten Weg – über den Tod

Wenn in Indien jemand stirbt, findet sich die ganze Trauergemeinde am Wohnort des Verstorbenen ein. Meistens wird vor dem Haus ein Stoffzelt aufgebaut und viele Stühle werden arrangiert. Der Verstorbene wird aufgebahrt und alle nehmen Abschied und bringen Blumengirlanden. Es ist sehr wichtig, dass man den Körper nochmals sehen kann, um sich zu verabschieden und um dem Verstorbenen die letzte Ehre zu erweisen. Durch das tropische Klima bedingt, geht es meistens schnell zum Krematorium. Auf einem Wagen wird der tote Mensch für alle sichtbar aufgebahrt und im Schritttempo zur nächsten Verbrennungsanlage gezogen oder gefahren. Hier im Süden gehen nur die Männer zum Krematorium. Je nach Kastenzugehörigkeit wird wild getanzt, getrommelt, Böller werden losgelassen und die Blumen der vielen Girlanden werden auf die Strasse gestreut. Manchmal geht es auch etwas ruhiger zu und man hört nur ein Muschelhorn.